Sonnenstrahlen strahlen durch Wolken in den Himmel empor. © westmecklenburg10896 Foto: -

Wir gehen Gott unter die Haut

Sendedatum: 01.06.2021 09:40 Uhr

"Unter die Haut gehen" - ist eine bekannte Redewendung. Ein Erlebnis, Ereignis oder Schicksal kann bei Menschen starke Empfindungen auslösen oder innerlich berühren.

von Pastorin Sabine Simon

Das geht mir richtig unter die Haut! Das sagte meine Tante immer, wenn Anderen Schlimmes zustieß. Das war ihre Art berührt zu sein. Sie hörte vom Leiden anderer und fühlte es dann selbst. Als ich ein Kind war, betraf das in den allermeisten Fällen Menschen, die wir kannten.

Heute hören und sehen wir täglich so viel vom Leiden anderer, aber es geht uns meistens nicht mehr unter die Haut. Es ist zu viel und zu weit weg. Nur manchmal erzählen die Medien eine Leidensgeschichte so persönlich, dass sie uns selbst am Bildschirm berührt.

Wie können uns Leiden Anderer noch berühren?

So fragte letztens eine Konfirmandin: Kann Gott wirklich bei allen kranken Kindern gleichzeitig sein? Es sind doch so viele. Gute Frage. Gehen wir Gott unter die Haut? Alle? Immer? Ich glaube: ja. Das große Dahinter, das wir so klein Gott nennen, hat Haut genug, um sich von uns allen berühren zu lassen. Die wichtigere Frage ist, ob wir auch wir noch Platz haben unter unserer Haut. Berühren uns die nahen Leidenden noch, wo wir doch so viele ferne auf der Welt sehen?

Meine Tante hat immer, wenn ihr etwas unter die Haut ging, die Ärmel aufgekrempelt und etwas unternommen. Im Zweifelsfall einen Kuchen gebacken und vorbeigebracht. Oder eine Wohnung organisiert. Oder einen anderen Arzt aufgetan. Das hat nicht alles wieder gut gemacht. Aber die Leidenden merkten, dass ihr Leiden meiner Tante nicht egal war.

Vorstellung von einem himmelweiten Gott

Die Kraft dafür zog sie immer wieder aus Psalmenworten. Die alten Beter haben schon gewusst, worum es geht im Leben, murmelte sie dazu und dann zitierte sie aus Psalm 103: "So hoch, wie der Himmel über der Erde steht, so weit reicht Gottes Güte. Und sie umfasst alle, die zu ihm gehören."

In meiner Vorstellung entstand so ein himmelweiter Gott, dessen Haut wie ein Mantel aus Güte den Himmel bildet und uns alle mit hineinnimmt in diese Güte. Wir gehen Gott unter die Haut. Damit auch uns das Leben der anderen berührt. So einfach ist es wohl.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 01.06.2021 | 09:40 Uhr

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