Sendedatum: 13.03.2018 10:50 Uhr

Verliebt in einen Syrer

von Luitgardis Parasie

Zusammen mit einer Freundin kümmere ich mich um syrische Flüchtlinge. Nun habe ich mich in einen jungen Syrer verliebt. Er ist sehr poetisch, aber oft auch verletzt und traurig. Manchmal habe ich das Gefühl, uns trennen Welten. Soll ich mich auf eine Beziehung einlassen, was meinen Sie?

Ja, Sie trennen Welten. Das macht es ja so faszinierend. Aleppo, Damaskus: einst wunderschöne Städte. Palmengesäumte Boulevards, Märkte mit exotischen Früchten. Dazu die Sonne. All das tragen viele Syrer im Herzen.

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Beziehungen zwischen verschiedenen Kulturen brauchen mehr Zeit und Raum.

Aber eben auch Gewalt, Folter, Angst. Sie möchten über ihre schrecklichen Erlebnisse oft gar nicht reden. Sie sind verletzt und traurig. Sie haben ihre Familien zurückgelassen, lernen nun im fremden kalten Land die Sprache, beginnen mit einer Ausbildung, machen den Führerschein, suchen Arbeit. Es ist super, dass Sie syrischen Flüchtlingen helfen.

Zweifel an einer andauernden Beziehung

Jeder deutsche Kontakt hilft ihnen, hier wärmer zu werden. Und mit dem ganzen Behördenkram, den Briefen in Amtssprache, die noch nicht mal Deutsche verstehen - das schafft keiner ohne Hilfe. Bis die Flüchtlinge jedoch so richtig in der Normalität ankommen, wird es dauern. Und es wird sie noch viel seelische Kraft kosten. Sie haben sich in einen syrischen Flüchtling verliebt und er sich offenbar auch in Sie. Sie beide geben sich eine Menge: Sie helfen ihm hier Fuß zu fassen. Er macht ihnen wunderbare Komplimente, seine Augen leuchten, wenn er Sie sieht. Sie führen anregende Gespräche. Und doch meldet ihr Kopf Bedenken und Sie fragen sich: Ist das eine Beziehung, die Zukunft hat?

Porträt

Luitgardis Parasie - Expertin für Lebenshilfe

Luitgardis Parasie findet Gewissensfragen wichtig. Da es eine Sehnsucht nach Orientierung gibt, sei die Bibel ein guter Ratgeber und kenne manche Antworten auf schwierige Lebensfragen. mehr

Lasten gleichmäßig verteilen

Lassen Sie es langsam angehen. Geben Sie sich Zeit. Zeit für ihn hier mehr und mehr heimisch zu werden. Zeit für Sie sich zu informieren, über syrische Kultur, Politik, über seine Religion. Zeit sich zu überlegen, ob Sie seine Lasten dauerhaft mittragen können. "Einer trage des andern Last", wird in der Bibel empfohlen. Ja, aber es ist schon hilfreich, gerade beim Start einer Liebesbeziehung, wenn die Lasten einigermaßen gleich verteilt sind.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Darf ich das? | 13.03.2018 | 10:50 Uhr

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