Sendedatum: 29.12.2019 09:15 Uhr

Mit Zuversicht ins neue Jahr gehen

von Julia Heyde de López
Autor Ulrich Schnabel © Kirche im NDR Foto: Inga von Thomsen
Der Autor Ulrich Schnabel empfiehlt, keine Angst vor dem Ungewissen zu haben.

Ein brillanter Physiker, fast vollkommen gelähmt im Rollstuhl. Weltberühmt. Das war Stephen Hawking. Seine Lebensgeschichte ist einzigartig. Und er ist ein gutes Beispiel dafür, was es heißt, angesichts enormer Herausforderungen zuversichtlich zu bleiben, sagt der Autor Ulrich Schnabel. Denn mit nur 21 Jahren bekam Hawking die Diagnose ALS, eine degenerative unheilbare Erkrankung des motorischen Nervensystems. "Viele Menschen hätten darauf wahrscheinlich mit Verzweiflung oder Zynismus reagiert", sagt Schnabel. Doch der englische Physiker war anders. Das Interessante an seiner Geschichte sei, dass er im Grunde kaum eine Chance hatte, und er hat sie grandios genutzt, so Schnabel. "Und man fragt sich unwillkürlich, was hält so einen Menschen aufrecht, was gibt ihm die Kraft, das zu leben, durchzustehen und nicht zu verzweifeln?"

Stephen Hawking schöpfte Kraft aus etwas Größerem

Der Hamburger Journalist und Autor Ulrich Schnabel hat sich auf die Suche nach den Quellen dieser inneren Kraft gemacht. Und ein tolles Buch über die Zuversicht geschrieben. Darin erzählt er unter anderem von Stephen Hawking, den er einmal selbst getroffen hat. Und er erinnert sich, dass er sich wunderte - Hawking wollte im Interview gar nicht über sich selbst sprechen. "Irgendwann ist mir klar geworden, das ist ein Teil der Antwort. Denn Stephen Hawking hat etwas gefunden, das ihn mehr interessierte als sein eigenes Wohl und Wehe, als dieses Kreisen um sich selbst. Er hat sich für etwas interessiert, was größer war als er selbst, und das hat ihm auch eine Kraft gegeben, die größer war als er selbst. Fast überlebensgroß."

Alles, was zur Zuversicht gehört

Mit wahren Geschichten von Menschen, die sich nie entmutigen ließen, illustriert Ulrich Schnabel, was alles zur Zuversicht dazugehört: zum Beispiel Gelassenheit, Dankbarkeit für die kleinen, guten Dinge im Leben, Vertrauen, Gestaltungskraft. Humor und ein gesunder Abstand zu sich selbst sind hilfreich. Und Resonanz: Nach dem Jenaer Soziologen Hartmut Rosa sei Resonanz das Gefühl, mit anderen Menschen oder der Natur auf derselben Wellenlänge zu schwingen, erläutert Schnabel. Das Gefühl, innerlich nach Hause zu kommen, finde man auch im Glauben oder in der Liebe. Auch da lässt sich etwas entdecken, was größer ist als man selbst und dem Leben Sinn gibt. Gerade wenn es schwer wird. Und Schnabel erinnert an den berühmten Satz von Friedrich Nietzsche: "Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie." Mit Blick auf das kommende Jahr empfiehlt der Autor: Keine Angst vor dem Ungewissen. Sondern Zuversicht. Sein gleichnamiges Buch ist dafür eine wunderbar-lesenswerte Anleitung und Inspiration.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 29.12.2019 | 09:15 Uhr

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