Alter Grabstein mit Engel und Kreuz © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka

Totensonntag - Nachdenken über Zeit und Ewigkeit

Sendedatum: 21.11.2020 18:05 Uhr

Der November ist der Monat des Gedenkens. Er endet traditionell mit dem Toten- oder Ewigkeitssonntag, eine Woche vor dem ersten Advent.

von Britta Jensen

Das Grab ist abgedeckt. Ich habe einen Tannenzweig neben den anderen gelegt und dabei versucht, ein kleines Kunstwerk zu gestalten. Ich betrachte das ineinandergreifende Grün. Ein Zweig berührt den anderen wie Hände, die sich umfassen. Das Grab meiner Mutter. Es ist für mich nicht nur eine Ruhestätte, sondern eine Stätte der liebevollen Erinnerungen, des Innehaltens und des Trostes. Dieses Grab gibt meiner Trauer einen Ort. Es lässt mich nachdenken über den Tod und das Leben, die Zeit und die Ewigkeit.

Schnee auf einem Grabstein im Kloster Bursfelde © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Am Ewigkeitssonntag gedenken evangelische Christen an verstorbene Angehörige.

Ich gehe noch ein paar Schritte über den Friedhof, besuche alte Bekannte, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben. Ich setze mich auf eine Bank und betrachte die schwerfälligen Nebelschwaden, die die Gräber sanft einhüllen. Endlich kann ich den Alltag loslassen, der mich sonst viel zu sehr einnimmt, und ich genieße die Stille um mich herum. Kein pflanzen, kein gießen. Die meisten Gräber sind mit frischen Tannen abgedeckt und Kerzen leuchten verschwommen durch den Tag. 

Ewigkeitssonntag: Zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Ich spüre, wie meine Gedanken zwischen Vergangenheit und Gegenwart kreisen. Geliebte Menschen sind nicht mehr da. Ich sehe Bilder vor mir. Sehe, wie es einmal war und nicht mehr ist und spüre dabei Tränen aufsteigen, die mir den Blick verschleiern. Der Schmerz über den Verlust wird so groß, dass ich nicht weiß, ob ich ihn aushalten soll oder doch lieber davonlaufen.

Ja, es tut weh. Aber es tut auch gut, denn solche Momente sind wichtig. Momente, in denen ich meine Gefühle zulasse, damit der Trost und die Zuwendung Gottes mich berühren können. Bevor ich nach Hause gehe, zünde ich eine Kerze auf dem Grab meiner Mutter an. Sie leuchtet hell in der aufkommenden Abenddämmerung.  "Ich bin das Licht der Welt", sagt Jesus. "Wer mich annimmt, wird leben, auch wenn er stirbt."

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Auf einem kleinen Kreuz steht "unvergessen". © fotolia Foto: racamani

Totensonntag - Ein stiller Feiertag

Mit dem Totensonntag endet die Reihe der Gedenktage im November. Seine Ursprünge reichen zurück bis ins Mittelalter. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 21.11.2020 | 18:05 Uhr

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