Hochwasser in der Eifel © picture alliance / Geisler-Fotopress Foto: Christoph Hardt

Sünden gegen die Natur

Stand: 21.07.2021 09:45 Uhr

Wissenschaftler haben seit Jahrzehnten darauf hingewiesen, auch in der Eifel: Wo Wälder gerodet, Flüsse begradigt und Böden versiegelt werden - da braut sich was zusammen.

von Pastor Sieghard Wilm

In diesem Jahr habe ich meinen Urlaub in Deutschland verbracht. Ich bin gewandert. Durch eine der schönsten Landschaften, die Eifel. Dichte Wälder, Vulkanseen - die Maare, liebliche Flusstäler, gepflegte Dörfer mit Fachwerkhäusern. So habe ich die Eifel erlebt und genossen.

Als ich in der letzten Woche die Bilder von den verheerenden Überschwemmungen sah, war ich entsetzt. Die Natur in der Eifel erschien mir doch so intakt zu sein. Ein Trugbild, wie ich jetzt lernen musste. Während die Aufräumarbeiten in den zerstörten Dörfern noch im Gange sind, fragen Wissenschaftler längst schon: Wie kann so eine Katastrophe zukünftig verhindert werden? Ich habe verstanden, dass es einfach nicht stimmt zu sagen: Das war eine Naturkatastrophe. Nein, das war kein Schicksalsschlag einer blindwütigen Natur. Immer deutlicher wird: Da hatte der Mensch seine Finger im Spiel, im Tun und auch im Unterlassen.

Der Auftrag Gottes an die Menschen: Schöpfungsbewahrung

Die Schöpfungsgeschichte am Anfang der Bibel erzählt davon, dass Gott dem Menschen den Auftrag gibt, diese Erde zu bewahren und zu bebauen, so wie es Gärtner tun. Doch offensichtlich haben wir unseren Planeten nicht bewahrt, sondern gefährdet, nicht bebaut, sondern ausgeplündert. Wissenschaftler haben seit Jahrzehnten darauf hingewiesen, auch in der Eifel: Wo Wälder gerodet, Flüsse begradigt und Böden versiegelt werden - da braut sich was zusammen. Es sind unsere Sünden gegen die Natur in Vergangenheit und Gegenwart, die sich nun rächen.

In alter Zeit wusste der Mensch wenig über die Zusammenhänge der Naturgewalten und sah sich dem Schicksal ausgeliefert. Gutes Wetter wurde als Segen verstanden, schlechtes Wetter als Fluch. Mit unserem Wissensstand von heute können wir das nicht mehr so einfach sagen. An die Stelle des Schöpfergottes, der alles lenkt, hat sich längst schon der Mensch gestellt. Wenn wir heute um gutes Wetter bitten, dann lasst uns Gott auch darum bitten, dass wir den Verstand benutzen, den er uns Menschen gegeben hat.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 21.07.2021 | 09:45 Uhr

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