Ein zweisprachiges Ortsschild der Hallig Hooge © Picture Alliance / image Broker Foto: Stefan Ziese

Schleswig-Holstein, das Sprachenland

Stand: 16.09.2021 13:55 Uhr

Schleswig-Holstein ist ein vielfältiges Land, in dem fünf Sprachen offiziell geschützt sind. Diese Vielfalt spiegelt die bunte Schöpfung Gottes wider, sagt Pastor Joachim Kretschmar.

von Pastor Joachim Kretschmar

75 Jahre wird das Bundesland Schleswig-Holstein in diesem Jahr alt. Vor vier Wochen wurde der Geburtstag mit einem großen Fest in Schleswig gefeiert. Beim Gottesdienst im Schleswiger Dom wurde die Lesung aus der Bibel gleich in vier Sprachen vorgetragen: Dänisch, Friesisch, Plattdeutsch und Hochdeutsch. Mit Romanes gibt es sogar noch eine fünfte offiziell geschützte Sprache in Schleswig-Holstein – so viel wie in keiner anderen deutschsprachigen Region.

Eine solche Vielfalt von Sprachen in einer Region ist ein außergewöhnlicher Schatz. Denn unsere Sprache prägt uns. Sie trägt ihr eigenes Wissen und ihre eigenen Traditionen fort. Sprache bestimmt unser Denken: Ich habe gehört, dass es zum Beispiel im Friesischen ursprünglich keine Möglichkeit gibt zu sagen: "Ich liebe Dich." Oder auch: "Ich hasse dich." Eine mögliche Erklärung: Auf der Abgeschiedenheit der Inseln, Halligen und Marschen sind die Menschen besonderes darauf angewiesen, miteinander auszukommen. Da sind zu starke Gefühlsausbrüche – egal in welche Richtung – immer eher gefährlich.

Gelebte Vielfalt im Norden

Sprache prägt unser Denken. Darum sind viele Sprachen auch Zeichen gelebter Vielfalt. Sie erinnern uns daran: Man kann Dinge verschieden sehen – und verschieden benennen.

Darum ist es gut auf die eigene Sprache zu achten, darum ist es gut, neue Sprachen zu lernen. Und es ist gut, andere sprechen zu lassen. Ihnen zuzuhören. Manchmal kann man es nicht verstehen. Manchmal klingt es vertraut. Und manchmal macht es mir etwas in meiner eigenen Sprache bewusst: Das Wort "Gott" klingt im Hoch- und im Plattdeutschen gleich. Im Friesischen und Dänischen wird es mit u geschrieben. Ja, das stimmt, das gehört zusammen: "Gott" und "gut".

Wie schön, daran erinnert zu werden – durch die Vielfalt der Sprachen, diese bunte Schöpfung Gottes.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 18.09.2021 | 19:05 Uhr

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