Stand: 13.06.2018 10:30 Uhr

Kolumne: "Jesus ist ein Influencer gewesen"

von Susanne Richter
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Radiopastorin Susanne Richter wünscht sich Einfluss, aber guten.

Ich lasse mich gerne beeinflussen. In echt! Ich meine, was wäre ich schon ohne Ideen von außen?! Öde egozentrische Wüstenei wäre das. Alles ist im Fluss und darum auch im Einfluss, sage ich immer. Her damit! Womit ich mich allerdings schwer tue, sind Profi-Beeinflusser. Sogenannte Influencer. Nicht, dass es sie gibt, sondern, womit sie Erfolg haben. Nehmen wir mal "Bibi". Die ist ja eine der einflussreichsten Influencerinnen zur Zeit. Auf YouTube, Instagram und Co erklärt sie ihr Make-up, zeigt ihren Babybauch oder macht Popcorn-Wettessen. Sinn und Niveau bleiben ziemlich auf der Strecke, dafür platziert die Werbeindustrie da schön ihre Produkte. Und Millionen von Menschen gucken zu. Erstaunlich, aber das funktioniert. Das wird noch nicht mal versucht zu verheimlichen.

Es kommt auf den Inhalt an

Ich bin "Influencer". Frei raus. "Beeinflusser!" Da gibt es doch sonst so viel Angst davor. Letzte Woche hatte ich eine Diskussion mit zwei Müttern dazu. Mama eins sagt: "Ich möchte nicht, dass mein Kind in eine christliche Kita geht. Ich will nicht, dass es beeinflusst wird." Eine andere Mutter mischt sich ein: "keine Angst, so viel passiert da gar nicht. Bisschen Geschichten, Noah in der Arche basteln." Alles Quatsch, sage ich. Mama eins hat Recht mit ihrem Verdacht: Kirche beeinflusst und christliche Kitas auch. Wenn nicht, wären sie überflüssig. Jesus selbst hat Eindruck gemacht und beeinflusst. Er ist also auch so eine Art "Influencer" gewesen. Aber eben mit der Botschaft Nächstenliebe und nicht mit einer narzisstischen Nabelschau. Ich meine: Einfluss an sich ist doch weder gut noch schlecht. Auf den Inhalt kommt es an.

Wir sind mehr als Make-up-Püppchen

Weil der gut ist, gebe ich meine Tochter in eine christliche Kita. Ich sag's mal drastisch: Damit sie da beeinflusst wird. Ich möchte, dass sie miterlebt, wie Menschen beten. Ich möchte, dass sie spielerisch mit den biblischen Geschichten in Kontakt kommt. Und zwar darum, weil die alle davon erzählen, dass wir geliebte Kinder Gottes sind. Finde ich super, wenn sie dahingehend beeinflusst wird. Ich bin sicher, sie wird später protestieren, wo immer sie mitbekommt, dass wir aufs Funktionieren als BürgerInnen mit Kaufkraft, oder aufs Bibi-Make-up-Püppchen reduziert werden sollen. Sie wird da nicht dauerhaft mitmachen, weil sie erfahren hat, dass wir viel mehr sind. "Wenn der Same erst gesät ist, dann kriegst du das nicht mehr raus." Sagt Mama eins mit sorgenvollem Blick. "Ich hoffe das." Sage ich.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

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