Stand: 13.09.2020 07:30 Uhr

Kolumne: "Zehn Sekunden"

von Christine Oberlin
Stoppuhr vor Bücherstapel. (Montage) © andriano_cz, MichaelNivelet/fotolia Foto: andriano_cz, MichaelNivelet
Auch zehn Sekunden können einem lange vorkommen.

"Dauert nur zehn Sekunden", sagt mein Zahnarzt. Ich sitze da am Morgen  mit offenem Mund und bekomme eine Füllung repariert. Es schimmert ein wenig bläulich im Raum, ich höre ein leises Piepsignal und schon ist die Füllung mit einem besonderen Licht gehärtet. Geht super schnell, tut gar nicht weh.

Was mich aber noch viel mehr beeindruckt, sind diese zehn Sekunden. Was ist das schon, wenn ich den ganzen Tag noch vor mir habe? Kommt mir vor, wie nichts! Und trotzdem sind mir eben so viele Gedanken durch den Kopf gegangen, dass ich staune: Wie lange können zehn Sekunden sein ...

"Umgang mit Zeit ist keine leichte Übung"

Oft ärgere ich mich, dass ich wenig Zeit habe. Dann versuche ich, mir ein, zwei Stunden freizuschaufeln - und werde unzufrieden mit mir und dem Rest der Welt, wenn es nicht funktioniert. Dabei gibt es doch auch die kleinen Auszeiten am Tag. Die ergeben in der Summe vielleicht genau das, was ich mir gewünscht habe. Der Umgang mit Zeit ist keine leichte Übung. Manchmal hilft mir da der Humor aus der Patsche, wenn ich auf einer Postkarte lese: "Der liebe Gott hat uns die Zeit geschenkt, von Eile hat er nichts gesagt."

Alles hat seine Zeit und seine Stunde

Spielt Zeit bei Gott eine Rolle? In der Bibel steht: "Tausend Jahre sind vor dir wie ein Tag." Zeit ist genug da und in Hülle und Fülle vorhanden. Das tröstet mich, wenn es hektisch wird. Und es setzt die Zeiten oder Phasen, die mir nicht gefallen, in ein anderes Licht.  Ich mag die Weisheit der Bibel, die mir sagt, dass alles seine Zeit und Stunde hat. Der "immer Stand-by-Modus" gilt dann nur für meinen Fernseher und ich lebe meine Zeit bewusster - und nehme sie als Geschenk.

Christine Oberlin © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Pastorin Christine Oberlin wünscht sich einen sorgfältigeren Umgang mit Zeit.

Von wegen zehn Sekunden sind nichts, ich wünsche mir einen sorgfältigeren Umgang mit der Zeit - mit der eigenen und der von anderen. Meine Hoffnung ist, dass am Ende als Erkenntnis dabei herauskommt:  Es gibt nicht zu wenig Zeit, um alles zu schaffen, sondern zu viel Zeit, die wir nicht nutzen. Noch ist Zeit, etwas zu ändern! Dafür einen Anker der Hoffnung.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 13.09.2020 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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