Eine Frau wehrt Coronaviren ab. © photocase panthermedia Foto: sandrobrezger, kostsov

Kolumne: "Ich kann nicht Corona"

Stand: 08.11.2020 07:30 Uhr

Die Flut schlechter Nachrichten kann auch mal zu viel werden. Wie können Menschen damit umgehen - hilft ein Rückzug ins Private oder die Flucht nach vorne?

von Christine Oberlin

In dieser Woche habe ich - mit Verlaub - die Nase voll von schlechten Nachrichten: Terroranschlag in Wien, Erdbeben in Izmir, Unruhen in Amerika wegen der Wahlen, Flüchtlinge in Seenot, Missbrauchsprozess in Gladbach, Taifun in nie vorher gemessener Stärke auf den Philippinen - und über allem schwebt noch die Corona-Pandemie und erschwert mit den nötigen Vorsichtsmaßnahmen meinen Alltag. Ich schwanke zwischen Wut und Traurigkeit und denke: "Genug ist genug. Ich kann keine Nachrichtenflut und kein Corona, dafür bin ich nicht gemacht." Doch wie geht’s weiter? Rückzug ins Private und in die Idylle ist keine Option. Ich stecke doch schon mittendrin.

Wunsch nach mehr Leichtigkeit in Corona-Zeiten

Da fällt mir ein Cartoon ein, den ich seit vielen Jahren in der Schublade aufbewahre: Zwei Schnecken kriechen aufeinander zu, nehmen Kontakt zueinander auf, kommunizieren miteinander. Dann, oh Wunder, erheben sie sich und tanzen miteinander; ganz possierlich und grazil. Das Haus auf dem Rücken stört sie nicht. Sie drehen eine Runde, und noch eine, dann hören sie auf mit dem Tanzen. Die eine Schnecke sagt: "Ich kann eigentlich gar nicht tanzen." Die andere antwortet: "Ich auch nicht." Dann kriechen sie wieder ihres Weges.

Christine Oberlin © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Leichtigkeit statt Leichtsinn, wünscht sich Pastorin Christine Oberlin in diesen Krisenzeiten.

Ich wünsche mir für unsere Gesellschaft diese Leichtigkeit, die nicht zu verwechseln ist mit Leichtsinn. Ich wünsche mir diese Überraschung und Freude, wenn wir feststellen: Es stecken mehr Fantasie und Widerstandskraft in uns, als wir es gedacht haben - und: Es gibt Menschen, mit denen wir gemeinsam und mutig eine Krise gut überstehen.

Darum gibt es einen Anker der Hoffnung von mir, er erinnert an diese Kraft Gottes, von der Paulus sagt: "Unsere Hoffnung wird uns nicht enttäuschen" (Röm. 5,5). Dieser Anker gibt mir festen Halt.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 08.11.2020 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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