Stand: 20.03.2019 09:00 Uhr

Kolumne: "Gotteshäuser sind heilig"

von Christine Oberlin

Die kleine Polly liegt auf dem Sofa auf ihrer Decke und schläft. Ein herrlicher Anblick - das kleine Dackelmädchen, kaum so groß wie meine Hand, hat uns sofort in seinen Bann gezogen. Jeder will sie streicheln, sie begrüßen, mit ihr spielen. "Lasst sie schlafen, ein Welpe muss auch mal Ruhe haben", mahnt meine Schwägerin. Polly streckt wohlig alle viere von sich, und ich denke an ein Gedicht von Hilde Domin, in dem sie schreibt, dass ihre Söhne über Nacht wachsen.

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Räume für Gebete müssen absolut tabu sein, meint Pastorin Christine Oberlin.

Was sich entwickeln will, braucht Ruhe, Ungestörtheit und Zeit. Ich weiß, das ist nichts Neues, und ich frage mich, warum wir Menschen das immer noch nicht gelernt haben. Es gibt Bereiche, in denen man andere nicht stört, die sind sozusagen tabu. Der Schlaf ist nur ein Beispiel; ein anderes ist das Gebet, in das ein Mensch sich zurückzieht und ungestört und frei von Alltagsgeschäften zu seinem Gott beten möchte.

Gotteshäuser sind ein geschützter Raum

Gotteshäuser sind den Menschen aus gutem Grund in allen Religionen heilig - ein geschützter Raum, in dem wir ohne Zensur reden, denken, fühlen können. Dort trifft es mich besonders, wenn ich unterbrochen oder gestört werde. Wo solches systematisch geschieht, beginnt schon die Respektlosigkeit vor der Religion des anderen und damit das Untergraben des Rechts auf Religionsfreiheit. Unglaublich finde ich, dass auf der Welt Menschen aller Religionen unter Verfolgung leiden. Ich weiß: Das ist nichts Neues, aber dass es immer noch geschieht, ist ein Skandal.

Und darum werfe ich meinen Anker der Hoffnung in stürmische See, dass wir auf dieser Erde zu mehr Respekt füreinander finden. Denn nur so können Menschen sich weiter entwickeln und geist(l)ich wachsen.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr