Stand: 05.04.2020 07:45 Uhr

Kolumne: "Mein Brief an Dietrich Bonhoeffer"

von Oliver Vorwald
Oliver Vorwald, Radiopastor aus Hannover © Kirche im NDR Foto: Jens Schulze
Radiopastor Oliver Vorwald dankt Dietrich Bonhoeffer für dessen Briefe und Verse.

Lieber Dietrich, bitte sieh' es mir nach, dass ich so einfach aufs "Du" gehe. Aber bei Deinen Versen von den "guten Mächten" habe ich einfach das Gefühl, da spricht einer direkt zu mir. Auch anderen ergeht es so. Wohl deshalb schmücken sie so viele Stuben. Gold gerahmt, in Leinen gestickt.

Briten bauen Bonhoeffer ein Denkmal

In wenigen Tagen jährt sich zum 75. Mal Dein Todestag. Am 9. April 1945 haben Dich die Nazis im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Nackt, im Morgengrauen, der Krieg fast aus. "Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens." Letzte Worte von Dir für Freunde und Familie. Deine Eltern bleiben lange Zeit im Ungewissen. Erst im Juli 1945 erfahren sie von Deinem Tod. Zufällig, im Rundfunk. Da sendet die BBC eine Trauerfeier für Dich.

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Später haben die Briten Dir sogar ein Denkmal gebaut - dem Deutschen, der in der Welt zu Hause war. Schon früh hast Du dazu aufgefordert, der Nazi-Maschinerie "in die Speichen zu fallen" und "für die Juden zu schreien", Seelsorger des Widerstands. Du aus leuchtend weißem Sandstein, im Talar, mit Bibel, der markanten runden Brille. Die Figur steht über dem Portal von Westminster Abbey. Also nicht irgendwo. In dieser Kirche empfangen die englischen Monarchen ihre Krone.

Verse und Briefe Bonhoeffers berühren

Mutige Taten, kluge Bücher. All das gibt es von Dir. Es sind aber vor allem die zerbrechlichen Verse, Deine zweifelnden Briefe, die mich und andere besonders berühren, lieber Dietrich. Notiert im Kellergefängnis der Gestapo, Du auf Dich zurückgeworfen, über Jahre allein, den Tod vor Augen. Was Du da geschrieben hast, trotzt den Umständen, und es ermutigt zum Vertrauen in den Urgrund des Lebens.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Von diesen Worten zehren Menschen bis heute. Gerade, wenn es dunkel um sie herum wird. Dafür möchte ich Dir von Herzen "Danke" sagen.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 05.04.2020 | 07:45 Uhr

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