Der neu gewählte EKD-Rat © EKD Foto: Jens Schulze

Kolumne: "Im Ursprung die Parität"

Stand: 14.11.2021 07:30 Uhr

Erstmals stehen an der Spitze der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) zwei Frauen. Stellvertreterin hinter der Ratvorsitzenden Annette Kurschus ist die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs.

von Pastor Oliver Vorwald

Jung, weiblich, leitend. Nun gehört auch Josephine Teske - Influencerin und Pastorin im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf - zu den Spitzenkräften der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). In dieser Woche haben die Abgeordneten der EKD-Synode, des bundesweiten Kirchenparlaments, die 35-Jährige in den Rat gewählt, eines der drei ganz wichtigen Leitungsorgane. Halleluja, gute Wahl. Denn Josephine Teske ist klug und leidenschaftlich. Mehr als 30.000 Abonnentinnen und Abonnenten folgen ihr auf Instagram. Unter dem Namen "Seligkeitsdinge_" erzählt sie aus ihrem Alltag als Single-Mutter und Pastorin, stärkt anderen den Rücken, feiert berührende Andachten.

Im Ursprung der Bibel steht die Parität von Frau und Mann

Zum Rat der EKD gehören sieben Männer und acht Frauen. Unter ihnen zwei weitere Nordlichter: Stephanie Springer, Leiterin des hannoverschen Kirchenamts, und Kirsten Fehrs, Bischöfin in Hamburg und Lübeck. Diese Ausgewogenheit in dem pro-testantischen Leitungsgremium hat inzwischen Tradition - zum vorigen Rat gehörten sieben Frauen, acht Männer - und sie entspricht der gesellschaftlichen Realität: Frauen machen die Hälfte der Bevölkerung aus. Leider ist die Bibel früher oft gegen Gleichberechtigung und gegen Geschlechter-Gerechtigkeit verwendet worden. Denn darin finden sich ein paar Verse, die Frauen den Männern unterordnen (1. Mo 3,16 + Eph 5,22). Dabei beginnt der Schöpfungsbericht ganz anders: Gott nimmt sich selbst als Vorlage, schafft den Menschen als Mann und Frau. Im Ursprung steht also die Parität, göttlich gewirkt und geerdet. In der hebräischen Bibel ist der Geist übrigens weiblich, also die Geistin oder die Geistkraft.

Hoffnung auf eine jüngere und diversere Kirche

Oliver Vorwald, Radiopastor aus Hannover © Kirche im NDR Foto: Jens Schulze
Freut sich über eine weiblichere und jüngere Kirche: Pastor Oliver Vorwald.

Neben Josephine Teske gehört noch eine weitere junge Frau zum Rat der EKD: Anna-Nicole Heinrich, 25 Jahre, Philosophiestudentin aus Regensburg. Seit Mai ist sie Präses der Synode. Sie leitet die Sitzungen des Kirchenparlaments mit großer Ruhe, trägt Jeans-Hemd und Sneaker, versucht die manchmal etwas trockene und blumige Kirchensprache aufzubrechen. Beide Frauen treten anders auf und sie reden anders, als viele das von Kirchenvertretern und Kirchenvertreterinnen kennen und erwarten. Und das kommt an: Der Großteil ihrer Abonnentinnen und Follower in den sozialen Medien ist zwischen 20 und 45 Jahre alt. Gut, dass unsere Kirchen bis in die Spitzen weiblicher sind und endlich auch jünger werden. Hoffentlich bald auch diverser. Allerhöchste Zeit.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 14.11.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

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