Das Gefallenen-Ehrenmal in Hiddestorf, einem Stadtteil von Hemmingen in der Region Hannover in Niedersachsen wurde zu Ehren der im Ersten und der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen aus Hiddestorf und aus dem Nachbarort Ohlendorf errichtet. © Wikimedia Foto: Den man tau

Kolumne: "Volkstrauertag - Herz über Kopf"

Stand: 15.11.2020 07:30 Uhr

Der Volkstrauertag ist ein "stiller Gedenktag" an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Corona-bedingt fällt er noch kleiner und stiller aus als sonst.

von Oliver Vorwald

Novembernebel, bloß ein paar Menschen am "Ehrenmal". Aber die Freiwillige Feuerwehr ist da: dunkelblaue Uniformen in Reih und Glied, einige tragen einen markanten schwarz lackierten Helm. Dann spielen die Bläser mit klammen Fingern das Lied vom Kameraden. Die Alten schließen die Augen, blicken in sich hinein, erinnern die Gesichter zu den Namen im Gedenkstein. Der Bürgermeister spricht über Frieden, Demokratie, "Nie wieder Krieg", hier und da mit etwas Pathos. Nach der Kranzniederlegung löst sich die kleine, verlorene Schar murmelnd wieder auf. 

Weitere Informationen
Grabsteine stehen auf einer Kriegsgräberstätte auf dem Neuen Friedhof in Rostock. © dpa-Zentralbild Foto: Bernd Wüstneck

Wider das Vergessen: Der Servicetag zum Volkstrauertag

Zum Volkstrauertag ist NDR 1 Radio MV zusammen mit Experten auf die Suche nach verstorbenen Angehörigen gegangen. mehr

Volkstrauertag - Die Demokratie braucht das Erinnern

So oder so ähnlich läuft der Volkstrauertag auf unseren norddeutschen Dörfern ab - alle Jahre wieder. Vielleicht liegt es an dieser Gestalt, dass zu den Feiern an den Gedenksteinen nur wenige kommen? Vielerorts sind die ohnehin nur schwer zu entdecken. Oft verstecken mächtige Hecken verschämt die Obelisken mit Adler, Helm, Eisernem Kreuz. Also Schluss damit? Aus dem Kalender streichen, wenn das Volk nicht mehr zum Volkstrauertag kommt? Klüger, freier, moderner würde uns das nicht machen. Es wäre sogar ein fatales Signal, wenn sich eine Gesellschaft vom öffentlichen Gedenken an die Brutalität von Krieg und Gewalt verabschiedet. Da siegt bei mir Herz über Kopf. Denn der Friede, die Demokratie brauchen das Erinnern an die Schatten der Geschichte.

Krtitisches und wertschätzendes Gedenken

Wir sollten lieber darüber diskutieren, welche Formen uns dabei gut tun - und einander aufmerksam zuhören. Wenn das genauso kritisch wie wertschätzend geschieht, wäre das eine neue Chance. Für die Tränen um die Opfer, für das alte Wort von der Kameradschaft, für die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehren, die dieses Gedenken maßgeblich tragen. 

Oliver Vorwald, Radiopastor aus Hannover © Kirche im NDR Foto: Jens Schulze
Wo sich Menschen friedlich versammeln, weht ein anderer Geist, meint Pastor Oliver Vorwald.

In diesem Jahr fällt der Volkstrauertag Corona-bedingt überall in Stadt und Land noch viel kleiner aus als sonst, stiller. Und dennoch bleibt dieses Gedenken im nebeligen November richtig und wichtig. Denn auch wo wenige sich für den Frieden versammeln, weht ein anderer Geist.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 15.11.2020 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

Info

Die Evangelische und Katholische "Kirche im NDR" ist verantwortlich für dieses Onlineangebot und für die kirchlichen Beiträge auf allen Wellen des NDR.