Ein Stapel Fotos und Fotoalben liegen auf einem Tisch. © Colourbox

Kolumne: "Konfirmation reloaded"

Stand: 01.07.2021 07:30 Uhr

Zur Konfirmation gehören Gottesdienst und Familienfeier, das lässt sich nicht aufteilen, findet Radiopastor Oliver Vorwald. Doch alte Fotos bringen ihn dazu, seine Meinung zu ändern.

von Pastor Oliver Vorwald

Nun ist es soweit. Im Juli feiern wir die Konfirmation unserer jüngeren Tochter. Es wird eine "Konfirmation reloaded". Denn den Segen für ihren Lebensweg hat sie bereits Mitte April in einem Gottesdienst empfangen; aber wegen Corona bloß im kleinen Rahmen. Nur wir vier, ohne Abendmahl, kein Fest mit Familie, Freundinnen und Nachbarn. All das holen wir jetzt nach: Inklusive den "Du-bist-aber-groß-geworden"-Ausrufen und der obligatorischen Diashow.

Erinnerungen als Zeitreise ins Glück

Oliver Vorwald, Radiopastor aus Hannover © Kirche im NDR Foto: Jens Schulze
Wenn Segen zweimal gefeiert wird, verdoppelt er sich, sagt Pastor Oliver Vorwald.

Ich habe lange mit dieser Corona-bedingten Ungleichzeitigkeit gehadert: So ein Segensfest lässt sich doch nicht aufteilen; Gottesdienst und Familienfeier, das muss zusammen. Doch diese Sichtweise ändert sich, als ich die Diashow vorbereite. An mehreren Abenden klicke ich mich durch datensatte Festplatten, durchforste Ordner für Ordner. Es wird eine Zeitreise ins Glück. Da sind die Fotos vom Baby-Besuch der stolzen Omas; Bilder von Kindergartenfesten, Sonntagsausflügen, Schulkonzerten, Piratenabenteuern im Garten. Dazu die Videos. Tanzen im Wohnzimmer, Staunen über die beiden Krebse am Strand. Ich bin geflasht von so vielen schönen Momenten; die reichen für zwei, drei Leben. Abends liege ich noch lange wach, belausche die Stille. Und tief drinnen flüstert in mir eine Stimme diesen Psalmvers: "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat."

Wir feiern eine "Konfirmation reloaded". Das bleibt so. Aber dieses Segensfest wird nicht darunter leiden, weil wir die Familienfeier erst jetzt nachholen können. Das Gegenteil ist der Fall: Wenn Segen zwei Mal gefeiert wird, verdoppelt er sich. Darauf einen Anker der Hoffnung.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 04.07.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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