Stand: 18.08.2019 07:45 Uhr

Kolumne: Emojis setzen Zeichen für Inklusion

von Matthias Bernstorf
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In diesem Jahr erscheinen viele Emojis zum Thema Inklusion.

Ächz! Paff! Stöhn! Den Untergang des Abendlandes haben manche schon in der Comicsprache kommen sehen. Aber der echte Killer der deutschen Schriftsprache tarnt sich mit freundlichem Gesicht. Es ist: der gelbe Smiley auf unserer Smartphone-Tastatur. Rund eine Milliarde davon verschicken wir davon pro Tag weltweit, in E-Mails, Kurznachrichten und Sozialen Netzwerken. "Emojis" heißen diese kleinen Zeichen. Und nächste Woche kommen für Android und IOS noch einmal 230 neue Zeichen hinzu. Muss das sein, denken Sie vielleicht? Gute Frage.

Menschen schicken mehr Nachrichten durch Emojis

60 Prozent aller Deutschen fürchten, dass sich unsere Sprache durch das Internet verschlechtert. Ist das Smartphone also der digitale Sensenmann der Schriftkultur? Im Gegenteil! Es wird mehr geschrieben als je zuvor, nur nicht mehr am Schreibtisch. Die Schreiborte haben sich vervielfältigt: in der Küche, im Zug, in der S-Bahn, auf der Couch, in der Fußgängerzone, überall können wir texten, fragen und antworten. Und weil wir mehr schreiben, haben wir weniger Zeit, und Emojis verkürzen die Zeit, die wir dazu brauchen.

Verkürzen Emojis auch unser Bild der Wirklichkeit? Auf jeden Fall. Denn in den Anfangsjahren haben Emojis nur eine biedere, prüde und eine vermeintlich korrekte Welt abgebildet, die dadurch weder heil noch korrekt war: Hunderttausende Menschen haben sich beim Konsortium "Unicode" in Kalifornien beschwert, dass deren Designabteilung nur einen einzigen Typus Mensch hervorgebracht habe, nämlich einen, der so aussieht wie ein gesunder reicher weißer junger Software-Programmierer in Kalifornien.

Mehr Zeichen setzen für Inklusion

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Pastor Matthias Bernstorf freut sich über die neuen Emojis.

Augenscheinlich ist Gottes Schöpfung aber doch komplexer. Auf Zuschriften hin zeigt sich die Zeichenwelt nun Jahr für Jahr menschlicher: mehr Haarfarben. Mehr Hautfarben. Mehr Berufe. Mehr Paare. Mehr Familienkonstellationen. Und was mir in diesem Jahr unter den 230 Neuerscheinungen besonders auffällt: mehr Rollstühle! Mehr Blindenhunde! Mehr Ohren mit Hörgerät. Es gibt Frauen und Männer mit Gebärdensprache. Ein Pflaster. Einen Fischotter. Einen Smiley mit Heiligenschein gab es schon, jetzt gibt es mehr Menschen, die beten.

Dazu sage ich: Daumen hoch, dieses Zeichen gibt's 2019 auch als Emoji mit Handprothese. Jetzt kann ich mehr Zeichen setzen für Inklusion! Dafür lichte ich einen Anker der Hoffnung, und den gibt es längst auch als Emoji.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 18.08.2019 | 07:45 Uhr

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr