Stand: 05.12.2018 09:00 Uhr

Kolumne: "Brot für die Welt" wird 60

von Matthias Bernstorf
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Auch dieses Jahr sammelt Brot für die Welt Spenden.

„Willkommen in der Bäckerei!“ Alle lachen. Franz und Pablo erklären: „Die Bäckerei – so nennen wir hier euer Regionalbüro von ‚Brot für die Welt‘. Weil ihr ja offenbar ganz schön viel Brot backen wollt“. „Hier“ – das war 1992 in Costa Rica, Franz und Pablo die beiden Kursleiter; und ich: überrascht, dass „Brot für die Welt“ nicht nur landwirtschaftliche Projekte fördert, sondern auch Bildung. Etwa den Kurs „Internationale Wirtschaftsbeziehungen“ für 20 Studierende aus Mittelamerika, zwei Schweden, einen Schwaben und mich.

Gegründet als einmalige Aktion

Als Konfirmand fand ich diese braunen Spendentütchen in der Kirchenbank echt altbacken. Aber zu sehen, was sie vor Ort bewirken, hat mich beeindruckt. Seitdem schlägt mein Herz für „Brot für die Welt“, auch in dieser Kolumne, weil meine Lieblingsbäckerei seit Sonntag ihre 60. Spendenaktion feiert.

Die erste begann am 12. Dezember 1959 in der Berliner Deutschlandhalle. Erstes Partnerland war Indien, dort herrschte akute Hungersnot. Gesammelt wurde in Blechbüchsen, in denen die Amerikaner Milchpulver geschickt hatten für Kinder im zerstörten Deutschland. Die Deutschen waren dankbar und wollten etwas zurückgeben. 19 Millionen Mark kamen zusammen, davon 4,8 Millionen Mark aus der DDR. Eigentlich war das als einmalige Aktion gedacht. Sechzig sind daraus geworden, was nun mit einem Jubiläumsjahr gefeiert wird.

Ein einprägsamer Name

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Ein globales Netz der Nächstenliebe wünscht sich Matthias Bernstorf.

Einmalig finde ich, dass „Brot für die Welt“ eine gesamtdeutsche Erfolgsgeschichte ist. Eine erste Namensidee war „Der arme Lazarus vor Europas Tür“. Viel zu lang, aber erstaunlich aktuell. „Brot für die Welt“ brachte biblische Bildung auf den Tisch: „Unser tägliches Brot gib uns heute – das meint alles, was wir brauchen“, wusste schon Martin Luther. Heute ist das erste Partnerland Indien eine globale Wirtschaftsmacht. Und ein globales Ethos der Nächstenliebe, das die Würde von Mensch und Natur bewahrt, ist mein Wunsch für die nächsten 60 Jahre der Weltbäckerei.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

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