Stand: 15.03.2020 07:30 Uhr

Kolumne: "Sich von Gottes Geist leiten lassen"

von Marco Voigt
Marco Voigt, Radiopastor in Kiel © Kirche im NDR
Pastor Marco Voigt glaubt, Gottes Geist können wir in diesen Wochen wirklich gut gebrauchen.

Die Furcht vor dem Coronavirus geht um in unserem Land. Jeden Tag werden neue Fälle gemeldet, auch hier bei uns im Norden. Und für manche wird diese Furcht plötzlich ganz konkret: So sah meine Frau neulich, wie sich eine Ärztin vor der Tür eines Bekannten Schutzkleidung anzog und schließlich einen Mundschutz überstülpte. "Das sieht aber gar nicht gut aus", entfuhr es meiner Frau, "muss ich mir jetzt Sorgen machen?!" Und das knappe "Ach, was!"der Ärztin war nun auch nicht das, was wirklich beruhigen konnte.

Menschen achten mehr aufeinander

Also ging meine Frau wieder nach Hause und machte schnell eine Karte fertig: "Steht Ihr vielleicht unter Quarantäne? Braucht Ihr irgendetwas, das ich Euch besorgen kann?", schrieb sie drauf und steckte die Karte unseren Bekannten in den Briefkasten. Kurze Zeit später klingelte das Telefon und unser Bekannter war dran. Alles sei in Ordnung. Er habe zwar vor Kurzem auf einem Flug dicht bei einem Mann gesessen, bei dem dann das Coronavirus festgestellt wurde, bei ihm selbst seien aber bislang alle Abstriche negativ gewesen. Aus Vorsicht müssten er und seine Frau trotzdem zu Hause bleiben. Im Moment hätten sie noch alles. Über die Karte und das nette Angebot hätten sie sich aber sehr gefreut.

Vielleicht hat dieses Virus ja trotz aller Gefahren und trotz der Furcht, die es verbreitet, doch wenigstens eine gute Seite: Menschen achten wieder mehr aufeinander. Fragen nach: "Wie geht es Dir?" Bieten Hilfe an, "bleib doch zu Hause, ich bringe Dir was mit." Sogar manche Chefs werden großzügig: "Wir wollen kein Risiko eingehen. Arbeiten Sie von zu Hause aus!" Ein guter Geist macht es möglich.

Gott hat den Geist der Kraft gegeben

"Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit", heißt es in der Bibel. Und ich glaube, diesen segensreichen Geist können wir in diesen Wochen wirklich gut gebrauchen. Einen Geist, der uns die Kraft schenkt, nicht in Furcht zu erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange, sondern besonnen zu bleiben und zu tun, was die Liebe uns sagt.

Für alle Menschen in helfenden und pflegenden Berufen, für alle Menschen, die Hilfe anbieten, die nachfragen, die großzügig sind, und für alle, die sich von Gottes gutem Geist leiten lassen gibt es von mir heute ein Herz der Liebe.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 15.03.2020 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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