Stand: 14.06.2020 07:30 Uhr

Kolumne: "Black Lives Matter"

von Marco Voigt
Marco Voigt, Radiopastor in Kiel © Kirche im NDR
Rassismus sei tief in unserem Denken verwurzelt, dass wir uns kaum davon frei machen können, sagt Radiopastor Marco Voigt.

Wurden Sie schon einmal von der Polizei kontrolliert, während Sie auf einer Bank saßen und ein Eis aßen? Hat Ihnen schon einmal jemand ohne zu fragen ins Haar gefasst? Oder hat Ihnen schon einmal ein Fremder gesagt, wie gut Sie deutsch sprechen? Nein?! Dann sind Sie mit sehr großer Wahrscheinlichkeit weiß. Menschen mit dunkler Hautfarbe erleben nämlich genau das. Und sie erleben, dass sie viel schwerer einen Job oder eine Wohnung finden, sie erleben, dass in der Nacht Menschen die Straßenseite wechseln, wenn sie ihnen entgegenkommen, oder dass sie ihre Handtasche enger an den Körper pressen. Und selbst, wenn sie in Deutschland geboren wurden und ihre Eltern schon in dritter Generation hier leben, werden sie trotzdem gern gefragt: "Und wo kommst Du eigentlich her?"

Rassimus-Debatte: Schweigen bedeutet Zustimmung

Das Thema Rassismus begegnet uns in den Nachrichten gerade jeden Tag. Ausgelöst durch den gewaltsamen Tod von George Floyd in Minneapolis ist eine Protestbewegung entstanden, für deren Motto "Black Lives Matter", Schwarze Leben zählen, auch in Deutschland Zigtausende auf die Straße gehen. Das ist wichtig. Denn Rassisten, das sind nicht nur die anderen. Das sind nicht nur die, die hetzen und das N-Wort schreien. Rassismus ist so tief in unserem Denken verwurzelt, dass wir uns kaum davon frei machen können. Rassismus - das ist alles, was dem anderen zu verstehen gibt: Du gehörst nicht dazu. Du bist anders. Rassismus kann sogar als Lob daherkommen: "Deine Eltern stammen aus Nigeria.Toll."

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Die Rassismus-Debatte, die wir gerade führen, ist längst überfällig. Denn schweigen bedeutet zustimmen. Mir hilft dabei mein Glaube. Denn der sagt mir, alle Menschen sind Gottes Geschöpfe, und Gott liebt sie alle gleichermaßen. Und wenn ich einen Menschen ungerecht behandelt habe, darf ich auf Vergebung hoffen. Die Taufe macht mir das möglich. Der Apostel Paulus sagt das so: "Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus." (Galater 3,27 ff.) Dafür ein Kreuz des Glaubens.

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Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 14.06.2020 | 07:30 Uhr

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