Eine Müllhalde in der Natur © Colourbox

Kolumne: "Der Turm, der in den Himmel reicht"

Stand: 09.05.2021 07:30 Uhr

Die Erde ist in ein neues Zeitalter eingetreten, sagen Wissenschaftler - und zwar in die Epoche, in der die Menschen den Planeten endgültig umgestaltet haben. Das hat es nie zuvor gegeben.

von Pastor Marco Voigt

Die Menge an Beton, Plastik, Metall und allem, was Menschen noch so produzieren, ist riesig. Und sie wächst ständig. Wissenschaftler haben jetzt ausgerechnet, dass bis zum Ende dieses Jahres die Masse der menschengemachten Dinge die Gesamtmasse aller Lebensformen auf der Erde übersteigen wird. Ich finde das erschreckend. Denn das heißt: Wolkenkratzer, Plastikflaschen und Computer sind demnächst schwerer als alle Mammutbäume, Elefanten, Korallenriffe und sonstige Lebewesen zusammengenommen.

Die Wissenschaftler sehen in ihrer Studie ein klares Zeichen dafür, dass die Erde in ein neues Zeitalter eingetreten ist: Das Anthropozän, also die Epoche, in der die Menschen den Planeten endgültig umgestaltet haben. Etwas, was kein anderes Lebewesen jemals getan hat.

Sprachverwirrung stoppt Turmbau zu Babel

Ich muss an die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel denken. Darin wird erzählt, die Menschen wollen einen Turm bis in den Himmel bauen, um sich einen Namen zu machen. Der Turm wächst und wächst, bis Gott eingreift und durch die sprichwörtliche "babylonische Sprachverwirrung" die Menschen in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Der Turm zerfällt.

Marco Voigt, Radiopastor in Kiel © Kirche im NDR
Radiopastor Marco Voigt ist besorgt: Ein "Turm" menschengemachter Dinge wächst bis in den Himmel.

Ich glaube: Uns einen Namen machen - das wollen wir immer noch. Darum wächst heute der Turm der menschengemachten Dinge bis in den Himmel. Ich wünsche mir, dass Gott wieder eingreifen möge, damit wir endlich verstehen: Wenn wir weitermachen wie bisher, kippt der Turm irgendwann um und begräbt uns unter sich.

Den Menschen in Babylon hat Gottes Eingreifen damals übrigens gutgetan. Ganz plötzlich waren sie nicht mehr gezwungen, an einem sinnlosen, größenwahnsinnigen Projekt mitzuarbeiten. Gott hatte sie davon befreit, und so konnten sie endlich ihre eigenen Wege gehen. Diese Freiheit wünsche ich mir für uns heute zurück!

Dafür gibt es von mir einen Anker der Hoffnung.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jede Woche vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 09.05.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

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