Stand: 14.05.2020 07:55 Uhr

Kolumne: "Erfahrungen aus der Schule daheim"

von Marco Voigt
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Radiopastor Marco Voigt hat seit Beginn der Coronakrise seine Kinder zu Hause unterrichtet.

In dieser Woche habe ich schon Scharbockskraut gesammelt, Informationen zur wilden Tulpe recherchiert und Bilder von Narzissen aus einer Gartenzeitschrift ausgeschnitten. Wir machen gerade "Homeschooling", und das Thema "Frühblüher" im Sachkundeunterricht der dritten Klasse ist mein Ressort.

So wie meiner Frau und mir geht es gerade vielen Eltern: Plötzlich sehen wir uns in der Rolle von Lehrenden und machen Deutsch, Mathe, Englisch, Sachkunde und noch vieles mehr mit unseren Kindern. Mittlerweile sind wir schon in der neunten Woche mit häuslichem Unterricht und haben in dieser Zeit alle Höhen und Tiefen erlebt.

Einerseits finde ich es großartig, dass ich meine Tochter nun auch mal unterrichten darf und habe sie gelehrt, was ich wichtig finde: ein Hochbeet bauen und Bretter anstreichen, Vögel am Futterplatz und Pflanzen am Wegesrand bestimmen. "Was sind die Eisheiligen?", und natürlich: "Welche Bedeutung hatte Little Richard für den RockʼnʼRoll?" Aber daneben gibt es auch die Zeiten, in denen ich sie motivieren oder dafür sorgen muss, dass nicht nur geträumt, sondern auch etwas zu Papier gebracht wird. Und das kann ganz schön anstrengend sein und bringt mich manchmal an meine Grenzen.

Kinder brauchen einen Ort des Lernens

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Kinder sind wissbegierig und lernen in Gemeinschaft meist besser.

Für Jahrtausende war das, was wir heute "Homeschooling" nennen, die natürliche Unterrichtsform: Eltern brachten ihren Kindern etwas bei. Doch schon in der Bibel gibt es eine Geschichte davon, dass Unterricht zu Hause nicht alles erfüllen kann, was ein Kind braucht: Als Jesus zwölf war, nutzte er einen Ausflug mit seinen Eltern dazu, um in den Tempel zu gehen und dort mit den Schriftgelehrten zu diskutieren. Es zog Jesus also weg von Zuhause und hin zu einem Ort des Wissens, an dem gelernt und unterrichtet wird. Das finde ich bemerkenswert.

Kinder sind wissbegierig und wollen lernen. Und das am besten in Gemeinschaft mit anderen Kindern und unterrichtet von Menschen, die gelernt haben, wie man Wissen am besten vermittelt und dies mit Leidenschaft tun. Darum freue ich mich mit unseren Kindern, dass es nun wieder losgeht mit der Schule und dass sie endlich wieder ihren Freunden und ihren Lehrerinnen und Lehrern von Angesicht zu Angesicht begegnen können. Dafür gibt es heute von mir einen Anker der Hoffnung.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 17.05.2020 | 07:30 Uhr

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Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr