Blick auf den Staudamm der Steinbachtalsperre, die zu brechen droht. © Picture Alliance / dpa Foto: Markus Klümper

Kolumne: "Die Hilfsbereitschaft ist größer"

Stand: 22.07.2021 07:30 Uhr

Im Angesicht einer Katastrophe rücken Menschen näher zusammen. Sie helfen einander und sind solidarisch. Jeder Mensch, der selbstlos und mutig handelt, ist ein Lichtblick.

von Pastor Marco Voigt

"Wissen Sie, ich bin ein gläubiger Mensch. Ich habe mich zwei Mal gesegnet, als ich runtergefahren bin. 'Du, Herr, musst wissen, was passiert', habe ich gesagt. Und ich hatte keine Sekunde Angst." Der das sagt, heißt Hubert Schilles, ist 68 Jahre alt und leitet ein Tiefbau-Unternehmen. Und nachdem er so mit Gott gesprochen hat, ist er mit seinem Bagger zum verschütteten Abfluss der Steinbachtalsperre gefahren und hat dort so lange gebaggert, bis der Abfluss wieder frei war. Über ihm drohte das Wasser in achtzehn Metern Höhe schon über die Talsperre zu laufen. Und niemand wusste, wie lange der Damm dem Druck der Wassermassen noch standhält. Wäre er gebrochen, hätte niemand, der sich davor aufhält, eine Chance gehabt.

Als ein Reporter Hubert Schilles später befragt, ist der ganz bescheiden. Er sagt, das hätte doch jeder gemacht und lobt seinen Kollegen Lorenz. Der hat den Schieber des Abflusses bedient. "Das war der Mann der Stunde", sagt Hubert Schilles. Sein Motiv für sein Handeln? Dankbarkeit für ein erfülltes Leben.

In der Not rücken die Menschen zusammen

Marco Voigt, Radiopastor in Kiel © Kirche im NDR
Nach der Hochwasserkatastrophe ist die Solidarität groß. Dafür ist Radiopastor Marco Voigt dankbar.

Es sind Geschichten wie diese, die mir in diesen Tagen Mut machen. Geschichten von Menschen, die selbstlos, mutig und voller Gottvertrauen handeln. Die genau dort anpacken, wo sie gebraucht werden. Und denen es fast schon unangenehm ist, wenn man sie später dafür herausstellt und lobt.

Die schreckliche Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat viele Menschen das Leben gekostet. Wahrscheinlich werden es am Ende über dreihundert Tote sein. Angesichts einer solchen Katastrophe rücken die Menschen näher zusammen. Sie helfen einander und sind solidarisch. Über alle Unterschiede im Denken und Handeln, die sonst unseren Alltag prägen, hinweg. Wo die Not groß ist, ist die Hilfsbereitschaft noch größer. Dafür danke ich Gott!

Und dafür gibt es heute von mir einen Anker der Hoffnung.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jede Woche vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 25.07.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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