Stand: 23.08.2020 07:30 Uhr

Kolumne: Erfahrungen, die Spuren hinterlassen

von Marco Voigt

Vergangenes Wochenende habe ich zwei mutige junge Frauen kennengelernt: Ninel und Antonia. Die beiden waren nach ihrem Abitur für ein Jahr mit "Aktion Sühnezeichen Friedensdienste" in Israel. Dort haben sie in Schulen für Kinder mit einem geistigen Handicap gearbeitet und regelmäßig in einem Seniorenheim mit Überlebenden der Shoah gesprochen.

Marco Voigt, Radiopastor in Kiel © Kirche im NDR
Radiopastor Marco Voigt ist beeindruckt von der Arbeit der "Aktion Sühnezeichen Friedensdienste" in Israel.

Eindrücklich und lebendig haben sie von ihren Erfahrungen erzählt, auch von den Schwierigkeiten: Von den ersten turbulenten Tagen, in denen sie im Hebräischunterricht kein Wort verstanden. Vom gescheiterten Versuch, den richtigen Bus zur Schule zu nehmen. Denn leider standen auch an dessen Anzeigentafel nur hebräische Buchstaben.

Kirche von innen heraus verändern

Vor den ersten Besuchen im Seniorenheim waren sie sehr nervös. Wie würden Shoah-Überlebende auf die jungen deutschen Frauen reagieren? Doch bald gab es die ersten Erfolgserlebnisse: Die Kinder, für die sie zuständig waren, machten innerhalb weniger Wochen sichtbare Fortschritte. Und die Shoah-Überlebenden, alle um die 90 Jahre alt, waren freundlich und interessierten sich sehr für das Leben der jungen Frauen in Deutschland.

Viel zu schnell sei das eine Jahr vorüber gewesen. Darin waren sich Ninel und Antonia einig. Doch bei beiden haben die Erfahrungen, die sie mit "Aktion Sühnezeichen Friedensdienste" sammeln konnten, Spuren hinterlassen: Ninel studiert nun Sonderschulpädagogik und möchte auch in Zukunft mit Kindern mit geistigem Handicap arbeiten. Und Antonia studiert katholische Theologie. Um von ihrem Glauben zu erzählen und ja, auch, um ihre Kirche von innen heraus zu verändern.

Ich denke gern an diese Begegnung zurück: An zwei mutige junge Frauen, die sich bewusst dafür entschieden haben, das eigene Scheitern in Kauf zu nehmen. Die an sich geglaubt und durchgehalten haben, und die nun ihren Weg in die Zukunft gehen. Dafür ein Kreuz des Glaubens.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 23.08.2020 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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