Stand: 26.04.2020 07:45 Uhr

Kolumne: "Ich habe einen Traum"

von Jan Dieckmann

Ich habe einen Traum. Dass ich auch in einigen Monaten in den Himmel schaue und nichts anderes sehe als blau. Keine Dutzende sich kreuzenden Kondensstreifen von Flugzeugen.

Ich habe einen Traum, dass wir aus dieser Krise mitnehmen, dass das, was wirklich wichtig ist und uns zufrieden und glücklich macht, ganz in der Nähe ist und nicht am anderen Ende der Welt.

Jan Dieckmann © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Pastor Jan Dieckmann hofft, dass die Corona-Krise die Menschen nachhaltig verändert.

Ich habe einen Traum, dass die Politiker sich auch nach der Pandemie mit Wissenschaftlern und Forschern zusammentun und kluge Entscheidungen treffen, die weitsichtig und radikal sind.

Ich habe einen Traum, dass diese Krisen-Erfahrung, dass Wohlstand und Frieden nicht selbstverständlich sind, uns bescheidener und demütiger macht.

Ich habe einen Traum, dass die Menschen, die für unsere Pflege und Gesundheit arbeiten, unseren Müll wegbringen und für volle Supermarkregale sorgen, von uns endlich gesehen werden und mehr Wertschätzung und mehr Geld bekommen für ihren Arbeit.

Ich habe einen Traum, dass der Preis für jede Ware, jede Dienstleitung zukünftig nicht mehr nur nach Gewinn berechnet wird, sondern dass Nachhaltigkeit, Regionalität und Ressourcenverbrauch ein fester Bestandteil der Preisgestaltung werden.

Ich habe einen Traum, dass der fürsorgliche Blick für die älteren Nachbarn, das "Hallo, kann ich Ihnen was aus dem Supermarkt mitbringen?", nicht wieder verloren geht, wenn uns das Virus nicht mehr bedroht.

Kein "Weiter So" nach der Corona-Pandemie

Ich habe einen Traum, dass die Pandemie unser Bewusstsein für eine globale Bedrohung schärft und uns als Menschenfamilie zusammenschweißt.

Ich habe einen Traum, dass die neuen digitalen Wege der Kommunikation von Wissenschaft, Bildung, Kultur und Religion unsere Gesellschaft nachhaltig bereichern und klüger machen.

Ich habe einen Traum, dass diese Krise die Familien stärkt. Dass Eltern und Kinder neue Wege finden, miteinander und voneinander zu lernen.

Ich habe den Traum, dass die vielen Menschen nicht umsonst gestorben sind. Wir sind es ihnen schuldig, dass wir nach dieser globalen Erschütterung nicht einfach so weitermachen, wie bisher. Dafür einen Anker der Hoffnung.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 26.04.2020 | 07:45 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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