Herbstlich verfärbte Blätter liegen vor einer Engelskulptur und einem Grablicht. © picture-alliance/dpa Foto: Patrick Seeger

Kolumne: "Die Liebe und der Tod"

Stand: 21.11.2021 07:30 Uhr

Der November ist der Monat des Gedenkens. Er endet traditionell mit dem Toten- oder Ewigkeitssonntag, eine Woche vor dem ersten Advent. Am Ewigkeitssonntag besuchen viele Menschen die Gräber ihrer Verstorbenen.

von Pastor Jan Dieckmann

Als Gemeindepfarrer habe ich meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden folgende Aufgabe gestellt: Schreibt eine Traueransprache für eure eigene Beerdigung! Was möchtet ihr, dass bei eurer Trauerfeier über euch und euer Leben gesagt wird? Was dabei herauskam, hat mich bewegt. "Er war ein guter Freund." "Sie konnte wunderbar Klavier spielen." "Er war immer großzügig und hat anderen geholfen."

Es hat mich berührt, dass die Mädchen und Jungen im Angesicht ihres angenommenen Todes das Beste an sich herausgestellt haben. Sie haben sich gespiegelt in den Augen der Menschen, die sie lieben. Und haben dabei ihre stärksten Seiten entdeckt. 

Liebe trägt über die Trauer des Todes hinweg

Über die eigene Endlichkeit nachzudenken und sich mit dem Tod vertraut zu machen, ist eigentlich ungeheuer lebensbejahend. Und da gibt es heute viele, auch ungewöhnliche Möglichkeiten: Probeliegen im Sarg. Sargbaukurse, so richtig mit Säge und Hammer für die eigene letzte Ruhe. Eine Urne, die einst die eigene Asche bergen soll, aussuchen und sie auf den besten Platz in der Wohnzimmer-Vitrine stellen. Oder eben die eigene Grabrede verfassen. Es geht darum, der Erkenntnis nachzuspüren: Meine Lebenszeit ist begrenzt. Mache ich das Richtige daraus? Was ist der Sinn meines Lebens?

Ein großer Theologe hat einmal geschrieben: Nur zwei Themen sind wichtig im Leben - die Liebe und der Tod. Beide hängen eng zusammen. Nur wer liebt, leidet beim Sterben derer, die ihm nahestehen. Und nur die Liebe trägt über die Trauer des Todes hinweg. Sie allein bildet den Ort, da die Erde den Himmel erahnen lässt. Die Liebe allein trägt den Trost der Unsterblichkeit.

Ewigkeitssonntag: Gedenken an Verstorbene

Jan Dieckmann © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Über Endlichkeit nachzudenken, ist ungeheuer lebensbejahend, sagt Pastor Jan Dieckmann.

Ich wünsche Ihnen einen Ewigkeitssonntag voller Liebe und liebevoller Erinnerungen an Ihre Verstorbenen. Christinnen und Christen nennen diesen Sonntag bewusst "Ewigkeitssonntag", weil wir fest daran glauben, dass wir zu dem zurückkehren, der alles Leben erschaffen hat. Dafür ein Kreuz des Glaubens.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 21.11.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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