Abschlussfeier im Olympiastadion. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, winkt während der Abschlusszeremonie. © Dan Mullen/Pool Getty Images/dpa Foto: Dan Mullen

Olympischen Spiele: Unangenehmes zu sagen ist schwierig

Sendedatum: 11.08.2021 09:40 Uhr

Am Sonntag gingen in Tokio die Olympischen Spiele zu Ende. Sie waren geprägt von der Corona-Pandemie - und viele Japaner standen nicht hinter der umstrittenen Sportveranstaltung.

von Pastor Michael Ellendorf

Nun sind sie also zu Ende, diese Olympischen Spiele. Und der IOC-Präsident Thomas Bach hat ein rundum positives Fazit gezogen: "Wir können selbstbewusst sagen, diese Olympischen Spiele kamen zur richtigen Zeit", hat er gesagt. Echt jetzt? Für die Athleten vielleicht. Aber sonst? Ich finde, das war - mit Verlaub gesagt - absurdes Theater. Undurchschaubar, noch dazu hochgefährlich. Eigentlich muss Thomas Bach das auch wissen. Warum sagt er's nicht? Weil es extrem schwer ist, die Wahrheit zu sagen. Noch dazu, wenn es eine unangenehme ist.

Kein Wahlkämpfer nimmt die Wahrheit in den Mund

Und kein Mensch regt sich darüber auf. Das muss der so sagen, heißt es dann. Halb wissend, halb resigniert. Alle kennen das Spielchen. Es ist Bundestagswahlkampf. Auch so eine Gelegenheit, wo geschönt wird und drum herum geredet zum Gotterbarmen. Dass wir unseren Lebensstil ändern müssen, wenn die Welt nicht vor die Hunde gehen soll? Dass wir uns gar einschränken müssen? Dass der Markt eben gar nicht alles richtet? Solche Wahrheiten traut sich kein Wahlkämpfer in den Mund zu nehmen. Weil sie unangenehm sind. Und Unangenehmes zu sagen ist schwierig. Nicht nur für Politiker oder Sportfunktionäre.

Jesus hat immer Klartext gesprochen

Geht ja den meisten Menschen so. So frei und offen, wie wir manchmal miteinander umgehen, so schwierig und verdruckst wird es, wenn es Unangenehmes zu vermelden gibt. Ich will nicht riskieren, dass mein Gegenüber mir böse ist. Oder enttäuscht von mir.

Der Einzige, den ich kenne, der immer Klartext geredet hat, war Jesus. Als etwa ein Reicher zu ihm kommt und ihn fragt: "Wie komme ich in den Himmel?", sagt Jesus ihm: "Verschenk alles, was du hast, und folge mir nach." Ich glaube kaum, dass das dem reichen Menschen gefallen hat. Aber, das war Jesu Wahrheit, die hat er gesagt. Ohne Ausflüchte und Beschönigungen. Ich wünsche uns diesen Mut und diesen Mumm. Nicht drumherum reden. Die Wahrheit gehört auf den Tisch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 11.08.2021 | 09:40 Uhr

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