Stand: 18.09.2020 10:27 Uhr

Mehr Mitspracherecht für Kinder

von Susanne Richter
Holger Hofmann, Deutsches Kinderhilfswerk  Foto: Deutsches Kinderhilfswerk, H. Lueders
Kinder sollten stärker an gesellschaftlichen und politischen Prozessen beteiligt werden, sagt Holger Hofmann vom Deutschen Kinderhilfswerk.

Kinder sind das Wichtigste, was wir haben. Immer wieder gerne zitiert. Aber handeln tun wir meistens nicht danach, sagt Holger Hofmann. Er ist Bundesgeschäftsführer vom Deutschen Kinderhilfswerk, einem der Veranstalter vom Weltkindertag:

Holger Hofmann: "Der Weltkindertag steht dafür, dass die Kindheit eine eigenständige Lebensphase ist mit eigenen Rechten. Hört sich selbstverständlich an, ist aber dann, wenn man sich tatsächlich danach ausrichtet, gar nicht selbstverständlich."

"Wir müssen die Kinder einbeziehen!"

Das bedeutet nämlich nicht nur, dass Kinder besondere Rechte haben, die sie schützen. Alle Entscheidungen in Politik und Verwaltung müssen auf das Kindeswohl hin überprüft werden und Kinder viel stärker bei den Prozessen aktiv beteiligt werden.

Hofmann: "Und das tun wir eben nicht. Wir überlassen dann die Perspektive den Erwachsenen, ihre Einschätzung, was für Kinder gut ist. Und das ist eben falsch. Wir müssen dann entweder die ExpertInnen für Kinder einbeziehen oder noch besser: die Kinder selbst."

Mitspracherecht für Kinder. Für das Kinderhilfswerk grundlegend. Auch auf die Strukturen im Werk können Kinder Einfluss nehmen. Aus den Familien sind viele Kinder das noch nicht gewohnt.

Drei Kinder spielen fröhlich im Sonnenuntergang. © altanaka / photocase.de Foto: altanaka / photocase.de
Kinder haben besondere Rechte, die geschützt werden müssen.

Hofmann: "Dass sie erkennen, wo kann ich reden und wo hab ich vielleicht auch was zu sagen. Das ist Kindern eben nicht so selbstverständlich, wie es uns erscheint. Deshalb ist für uns auch wichtig, dass die Kinderrechte endlich ins Grundgesetz aufgenommen werden."

Kirchen sollen Werte vermitteln

Auch dafür steht der heutige Weltkindertag: Aufgrund von Corona kann es keine große Feier vor Ort geben. Kinder aus dem ganzen Land haben aber ihre Forderungen auf Plakate geschrieben und gemalt und nach Berlin geschickt.

Hofmann: "So wie sie es bei Friday for Future gemacht haben, und wir werden sie heute auf der Reichstagswiese gemeinsam mit der Familienministerin präsentieren der Öffentlichkeit. Und hoffen natürlich, dass darüber diese Forderungen der Kinder zur Geltung kommen."

Unterstützung erhofft sich das Kinderhilfswerk dabei auch von den Kirchen. Deren Aufgabe es ja ist, die Kleinen besonders in den Blick zu nehmen.

Hofmann: "Darin, dass sie Werte den Kindern vermitteln. Solidarität, soziale Gemeinschaft, Frieden, Kindern Halt vermitteln, dass sie auch demokratische Werte vermitteln. Das sind natürlich alles Aufgaben verschiedener gesellschaftlicher Institutionen. Aber sicher zuvorderst auch der Kirchen und da haben sie eine wichtige und auch tragende Rolle in der Gesellschaft."

Die Radiokirche wünscht einen fröhlichen und bitte auch aufrüttelnden Weltkindertag!

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 20.09.2020 | 09:15 Uhr

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