Gegenlichtaufnahme von grünen Viren, die um eine Gruppe von tanzenden Menschen schweben. © Menschen Corona Fotolia_psdesign photocase_joexx Foto: Menspsdesign joexx

"Lost": Rückblick auf ein vergangenes Jahr

Sendedatum: 27.12.2020 12:40 Uhr

Der Verlust der Existenz, der Gesundheit oder geliebter Menschen: Die Corona-Pandemie hat viele Wünsche oder Pläne zunichte gemacht. Das Gute lässt sich leicht übersehen.

von Regionalbischöfin Petra Bahr

"Lost". Verloren. Das ist nicht nur das Jugendwort des Jahres, es ist auch die Kurzform, mit der viele dieses Jahr auf den Begriff bringen. Trauer, Zorn, Wehmut, Ohnmacht - viele Gefühle haben in diesem kurzen Allerweltswort Platz. Manche haben nur ein paar Pläne verloren, einen Urlaub, ein lang ersehntes Fest. Anderen wurde die Existenz unter den Füßen weggezogen, ihre Gesundheit. Am schlimmsten ist der Verlust geliebter Menschen.

Für manche ist das Corona-Jahr auch ein Anfang

Aber ist das Jahr wirklich lost, "verloren"? Selbst wenn man wollte, ließe es sich nicht streichen. Es gibt keine Löschtaste für ein gelebtes Leben. Es gibt nur den Umgang mit dem, was war. Manchmal hilft die Erinnerung an die guten Momente. Kinder wurden geboren, Prüfungen sind geglückt, Menschen haben einander gefunden, trotz Abstandsgebot und Quarantänen. Vor ein paar Tagen rief mich eine alte Freundin an. Sie weinte. Vor Glück. Nach Jahren des Alleins-eins hat sie sich verliebt. Endlich ein Weihnachten zu zweit. "Das kann ich niemandem erzählen", schiebt sie leise hinterher. Das Katastrophenjahr ist für sie ein neuer Anfang. Warum soll sie sich dafür schämen?

Alles hat seine Zeit, heißt es in der Bibel. Auch Gutes hatte seine Zeit. Es ist in diesem Jahr leicht zu übersehen. Aber es war da. Das Jahr ist nicht verloren. Es geht nicht weg. Es ist nur vergangen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 27.12.2020 | 12:40 Uhr

Info

Die Evangelische und Katholische "Kirche im NDR" ist verantwortlich für dieses Onlineangebot und für die kirchlichen Beiträge auf allen Wellen des NDR.