Sendedatum: 11.06.2020 19:05 Uhr

Einen Leuchtturm statt Berge versetzen

von Susanne Kühn

"Es ist nicht fair, dass nur ich bejubelt werde!", sagt Kjeld Pedersen aus Lönstrup nach getaner Arbeit. Der Maurermeister aus Dänemark kann zwar keine Berge versetzen. Wohl aber einen ganzen Leuchtturm. Das Wahrzeichen im Nordwesten Jütlands, das Leuchtfeuer Rubjerg Knude Fyr, drohte 70 Meter in die Tiefe zu stürzen. Denn das Meer frisst sich hier an der Steilküste immer weiter ins Land.

VIDEO: Rubjerg Knude Fyr: Ein Leuchtturm zieht um (5 Min)

Kjeld Pedersen rettet Lönstruper Leuchtturm

Sein Leben lang ist Kjeld Pedersen die Düne hochgestapft, wenn er etwas auf der Seele hatte. Hier oben, sagt er, klären sich die Gedanken. Der Blick auf das weite Meer, direkt unter dem Himmel - das macht frei und ruhig. Eine Andacht ohne Worte. Also beschloss Kjeld Pedersen, "seinen" Leuchtturm zu retten.

Der Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr steht auf einer Wanderdüne über dem Meer. © NDR
Lönstrups Wahrzeichen: Am 27. Dezember 1900 ging der Leuchtturm Rubjerg Knude Fyr in Betrieb.

Ein völlig verrückter Plan, der aufwändig in die Tat umgesetzt wurde. Ein Team von zwanzig Arbeitern ließ das alte Bauwerk per Maschinenkraft anheben, auf Schienen setzen und in Zeitlupe 70 Meter ins Landesinnere schieben. Schaulustige und Pressevertreter feierten den überglücklichen Kjeld Pedersen als Helden des Tages. Und der? Sagt Nein. "Nein, ich bin kein Held. Erst das Team hat das Ganze möglich gemacht."

Gemeinschaftssinn gilt als typisch skandinavisch

Da ist sie wieder, diese Haltung, die als typisch skandinavisch gilt: Wir wollen etwas schaffen und vertrauen dabei voll und ganz der Gemeinschaft. Es braucht Initiative, ungewöhnliche Ideen. Ja, aber nicht, damit sich der Einzelne als Bester oder Schnellster hervorhebt, sondern um zusammen und auf Augenhöhe Lösungen zu finden und Dinge zu bewegen. Vor allem dann, wenn wieder etwas auf der Kippe steht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 11.06.2020 | 19:05 Uhr

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