Stand: 11.10.2017 11:15 Uhr

Kolumne: Frieden bleibt immer ein Wagnis

von Julia Heyde de López
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Der schwedische Chemiker Alfred Nobel entwickelte sich zum Friedensverfechter.

Alfred Nobel war kein Friedensaktivist. Im Gegenteil. Sein Vermögen hatte der schwedische Chemiker mit dem Sprengstoff Dynamit gemacht. Doch mit zunehmendem Alter wurde Nobel immer unglücklicher über seine explosive Erfindung. Selbstzweifel plagten ihn. 1892 reiste er zu einem großen Friedenskongress, und zwar sicherheitshalber inkognito. Ich stell mir vor, wie er da sitzt unter lauter Pazifisten, unerkannt, und feststellen muss: Er hat sich einfach geirrt. Das Prinzip der Abschreckung durch Aufrüstung und immer effektivere Waffentechnik hält Menschen eben nicht davon ab, Krieg zu führen. Nobel wird zum Friedensverfechter und stiftet schließlich kurz vor seinem Tod die Nobelpreise.

Preisträger, ganz im Sinne Nobels

Ich glaube, Alfred Nobel hätten die Preisträger des diesjährigen Friedensnobelpreises, die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) richtig gut gefallen. Heißt es doch in seinem Testament: ausgezeichnet werden soll, wer "am besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat und für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere".

Ich sage: Hut ab vor dieser inneren Kehrtwende, die der Mann da hingelegt hat. Eine Wandlung quasi vom Saulus zum Paulus. Es ist ja nicht einfach, das eigene Leben so in Frage zu stellen. Schön finde ich außerdem ein weiteres Detail - Nobel kam zu dem Friedenskongress auf Einladung der österreichischen Schriftstellerin und Aktivistin Bertha von Suttner. Die beiden kannten einander, und die Tatsache, dass er jemand war, der vom Krieg wirtschaftlich profitierte, hielt sie nicht davon ab, ihn aufzufordern, ihre Ideen und die anderer Friedensaktivisten zu hören und zu reflektieren.

Engagement für Frieden braucht Mut

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Für den Frieden zu kämpfen, bracht Mut, sagt Julia Heyde de López.

Und nun stehen einmal im Jahr Menschen und Initiativen im Zentrum der weltweiten Aufmerksamkeit, die es im besten Falle wirklich verdient haben, weil sie überaus mutig für Frieden kämpfen. Denn ohne Mut wird es nichts. Frieden ist und bleibt immer ein Wagnis. Er ist der "Ernstfall", der immer wieder aufs Neue geprobt und gestaltet werden muss, ohne Sicherheitsgarantie.

Von daher: Glückwunsch, ICAN, zum Friedensnobelpreis! Für euch und euer Ziel einer atomwaffenfreien Welt vergebe ich heute, ganz und gar undotiert, aber trotzdem von Herzen, einen Anker der Hoffnung.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Kreuz - Herz - Anker

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