Ein Mann hält mit seiner Hand einen Rollstuhl-Rad © panthermedia Foto: minervastock

Kolumne: "Gottes Gerechtigkeit"

Stand: 13.06.2021 07:30 Uhr

Dies ist eine Würdigung für eine starke Frau. Es ist auch ein Protest gegen Ungerechtigkeit. Es ist ein Nachdenken über Gottes dunkle Seiten.

von Jan Dieckmann

Vor über einem Jahr hatte eine unserer Mitarbeiterinnen in der NDR Radiokirche einen Schlaganfall: Bis heute ist sie halbseitig gelähmt. Eine Frau mitten im Leben, beruflich quer bei uns eingestiegen, eigentlich gelernte Hutmacherin mit eigener Werkstatt. Eine Mitarbeiterin mit Überblick und Lust an der Arbeit. Immer da, wenn es darum ging ein neues Projekt anzupacken. Schnell und manchmal laut und fordernd, mit einem ansteckenden Lachen, immer super konzentriert und fokussiert. Eine Mutter, eine Ehefrau.

Es ist einfach nicht richtig, dass sie heute stark bewegungseingeschränkt nicht mehr arbeiten kann. Wir halten Kontakt. Wir telefonieren, schreiben, schicken kleine Aufmerksamkeiten. Aber doch sind wir anderen im Büro auch nach über einem Jahr noch traurig und sprachlos angesichts dieses Schicksals, das eine von uns tragen muss.

Gottes Gerechtigkeit ist nicht von dieser Welt

Ja, wenn ich manchmal darüber nachgrübele, dann klage ich Gott an für diese Ungerechtigkeit. Du weißt doch, sagt dann der Theologe in meinem Kopf: Gottes Gerechtigkeit ist nicht von dieser Welt. So einfach ist das nicht mit dem Zusammenhang von dem, was wir sind und was wir tun und was wir erleiden. Ja, aber was soll das denn, möchte ich fragen. Und dann spüre ich diese Hilflosigkeit, und mir fällt nur noch ein, still zu beten, dass Gott diese und andere Ungerechtigkeiten von uns nimmt. Ja, wenigstens unsere Mitarbeiterin und uns trösten möge im Schmerz.

Hiob nimmt sein Schicksal an

Jan Dieckmann © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Wir müssen versuchen, das Gute und das Schlechte im Leben anzunehmen, meint Pastor Jan Dieckmann.

Mein Gebet ist auch ein Blick in einen Spiegel. Wie wird es mir ergehen, wenn mir eines Tages ein Unglück passiert, oder eine schwere Zeit der Pflegebedürftigkeit. Ich bete darum, dass ich das annehmen kann, das ich das aushalten und akzeptieren kann, was Gott und das Schicksal für mich bestimmt haben. Und ich denke dabei an eine Szene aus dem Hiob-Buch. Da, wo Hiob mit seiner Frau streitet. Ich stelle mir immer vor, dass sie dabei in der Küche am Tisch sitzen. Hiobs Frau beklagt das schwere Schicksal, dass Gott ihrem Mann auferlegt: Nun schimpf doch bitte auch bei deinem Gott! Sagt sie. Er hat dich vernichtet, er hat Dir alles genommen!

Hiob antwortet ganz gelassen: Ich habe so viel Gutes aus Gottes Hand empfangen, muss ich da nicht das Schlechte auch annehmen? Dieses Gottvertrauen wünsche ich mir und uns. Dafür ein Kreuz des Glaubens.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jede Woche vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 13.06.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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