Stand: 07.06.2020 07:45 Uhr

Kolumne: Corona-Krise wirft Frauen zurück

von Stefanie Grossmann
Eine Frau arbeitet zu Hause bei Ihrem Kind an einem Laptop. © panthermedia Foto: doble dphoto
Es gibt Frauen in der Corona-Krise, die sich von der Arbeit freistellen lassen.

"Um drei Jahrzehnte ist der erreichte Fortschritt zurückgeworfen." Das sagt die Soziologin Jutta Allmendinger über die Situation der Frauen in der Corona-Krise in der Talkshow "Anne Will". Krass, denke ich. Es ist ein Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Da kämpfen Frauen jahrelang um Gleichberechtigung - und jetzt das. Ein Rückfall in traditionelle Rollenbilder.

Frauen reduzieren Arbeit in Corona-Zeiten

Gut, ich bin mit meinem erwachsenen Sohn aus dem Gröbsten heraus. Seine Ausbildung wuppt er auch ohne mich im Homeoffice und ab und zu gibt es noch eine warme Mahlzeit von Mama. Sonst kocht der Filius selbst. Aber allein der Gedanke, dass es vor allem Frauen sind, die neben ihrer Arbeit jetzt wieder Lehrerin, Köchin und Pflegerin sind, hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack.

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Jutta Allmendinger © picture alliance / Eventpress Stauffenberg

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Besonders wenn ich als Alleinerziehende an die Frauen denke, die das in diesen schwierigen Zeiten ohne Partner leisten müssen. Wie eine meiner Freundinnen, die neben zwei Jobs, auch noch den Sohn im Homeschooling auf Prüfungen vorbereitet und sich um ihre Mutter sorgt, die mit im Haushalt lebt.

Frauen arbeiten im Schnitt weniger als Männer, fast jede zweite arbeitet in Teilzeit und wir werden immer noch schlechter bezahlt. Die Corona-Krise verschärft diesen Trend: Über 20 Prozent der Frauen haben ihre Arbeitszeit reduziert - Männer treten viel seltener kürzer. Zurück bleibt nicht nur Frust bei den Frauen, was die Arbeitszufriedenheit angeht. Der Rückfall mindert Karrierechancen und wirkt sich auch negativ auf die Rente aus.

Gleichberechtigung darf nicht nur auf dem Papier gelten

Natürlich kämpfen Frauen schon seit Jahren für mehr Rechte. Auch die Politik hat das wahrgenommen und sich mit Themen wie Quotenregelungen in Parteien, Gleichstellung in Beruf und Familie oder Chancengleichheit von Mädchen beschäftigt. Aber passiert ist längst noch nicht genug: "Bis vor Kurzem lohnte sich der Ehemarkt für Frauen deutlich mehr als der Arbeitsmarkt. Erst in den vergangenen vier Jahren hat sich das leicht geändert", sagt Jutta Allmendinger.

Stefanie Grossmann © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Frauen sollten die gleichen Chancen haben, findet Kirchenredakteurin Stefanie Grossmann.

Und jetzt der nächste Rückschritt durch die Corona-Krise. Gott schuf den Menschen als Mann und Frau, heißt es in der Bibel. Auch im Grundgesetz ist der Satz der Gleichheit verankert. Frauen sollten die gleichen Chancen wie Männer haben. Ich hoffe, das gilt nicht nur auf dem Papier.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 07.06.2020 | 07:45 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

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