Waage mit zwei Spielsteinen in Weiß und Schwarz © Pixabay / Firentis Foto: Firentis

Kolumne: "Weiße Privilegien"

Stand: 14.03.2021 09:40 Uhr

Die Debatte über eine Rassismus-Studie in der Polizei zeigt, dass es nicht nur um persönliche Einstellungen geht. Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe und Herkunft ist fest in der Gesellschaft verankert.

von Julia Heyde de López

"Bio-Deutsche." "Weiße." So angesprochen merkt die Mehrheitsgesellschaft in unserem Land plötzlich, wie es ist, in eine Schublade gesteckt zu werden. Wahrgenommen zu werden nicht mehr als Individuum, sondern nur als Teil einer nicht selbst gewählten Gruppe. Eine Erfahrung, die sonst eher Minderheiten machen. Fühlt sich nicht gerade gut an - und ist genau deshalb ein Augenöffner. 

Seit geraumer Zeit denke ich nach über das sogenannte white privilege. "Weiße Privilegien" sind unverdiente Vorteile, die ich habe, weil ich als Weiße in eine Kultur hineingeboren wurde, die Weiße strukturell begünstigt. In meinem Alltag zeigt sich das zum Beispiel so: Ich war schon Zeugin aber noch niemals Ziel von "Racial Profiling", ich wurde noch nie pauschal verdächtigt, Drogen zu dealen oder Ladendiebstahl zu begehen. Und ich muss mir keine Vorurteile oder Bemerkungen anhören zu Hautfarbe und Haarbeschaffenheit, zu meiner Sprache oder Herkunft.

Eingestehen von Privilegien ist seltsam schmerzhaft

Natürlich bedeuten weiße Privilegien nicht, nur Glück und keinerlei Probleme im Leben zu haben. Auch ich hab mich schon durch so manchen Sturm gekämpft. Aber zumindest ein Hindernis wird mir nicht in meinen Lebensweg gestellt: Rassismus. Dabei ist das Eingestehen dieser Privilegien seltsam schmerzhaft. Denn mir wird bewusst, wenn ich sie einfach stillschweigend hinnehme, bin ich Teil des Problems. Aber Erkenntnis ist der erste Schritt in die Zukunft. Ein Schritt hin zu einer Gesellschaft, in der tatsächlich alle das Recht haben, als Individuum zu wirken und gesehen zu werden. Und die Strukturen, dies auch anerkennen.

Julia Heyde de López © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Kirchenredakteurin Julia Heyde de López wünscht sich gleichberechtigten Raum für Schwarze Menschen.

Weiße Privilegien sind wahrhaftig nicht gottgegeben. Ich wünsche mir, dass wir endlich wegkommen von dieser Sünde der Überheblichkeit. Weg auch von den Schubladen. Und stattdessen gleichberechtigten Raum schaffen für Schwarze Menschen und People of Color. Ihnen genauer zuhören, ihre Erlebnisse anerkennen. Sensibler werden in unserer Sprache. Und zusammen Strukturen kritisch hinterfragen und umgestalten. Das ist doch eine Chance: mehr Gerechtigkeit, ein Gewinn für alle! Darauf setze ich meinen Hoffnungs-Anker.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 14.03.2021 | 09:40 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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