Stand: 29.07.2020 16:15 Uhr

Kolumne: "Worauf es ankommt"

von Julia Heyde de López
Bild vergrößern
Solidarität ist stärker als Gleichgültigkeit. Es kommt auf jede und jeden an.

Vor kurzem hörte ich diese Geschichte, eine Parabel aus China: Ein Brautpaar hatte zum Fest geladen, und es hatte die Hochzeitsgäste gebeten, dass jeder einen Krug Wein mitbringen sollte. Der wurde am Eingang in ein großes Fass gegossen. Die Hochzeitsparty begann, man schöpfte aus dem Fass. Da erschrak das Brautpaar und die Gäste versteinerten: In dem Fass war kein Wein, sondern einfach nur Wasser. Denn alle hatten gedacht: Den einen Krug Wasser, den ich mitbringe, wird niemand schmecken. Und so fiel die Party aus, das Fest fand nicht statt.

Ich glaube, diese Geschichte entlarvt eine Einstellung, die viel zu weit verbreitet ist. Wenn Menschen denken: Das, was ich tue, oder auch nicht tue, fällt gar nicht ins Gewicht. Auf das, was ich beitrage, kommt es doch gar nicht an.

Abstreifen von Verantwortung ist unsolidarisch

Doch was folgt daraus? In den meisten Fällen ein unsolidarisches Abstreifen von Verantwortung, es ist ein Ausdruck von Gleichgültigkeit. Sieht man derzeit bei Leuten, die meinen, es störe keinen großen Geist, ob sie sich nun an Corona- und Quarantäne-Regeln halten oder nicht.

Bild vergrößern
Mit Gleichgültigkeit schadet man dem Team, aber auch sich selbst, sagt Julia Heyde de López.

Doch die gute Nachricht ist: Das, was du tust, ist wichtig! Auf jede und jeden Einzelnen kommt es an. Auf jede Stimme bei der Wahl. Auf jede eingesparte Plastiktüte. Auf jeden Einspruch gegen homophobe oder rassistische Witze. Auf jedes rücksichtsvolle Zurücktreten, jeden getragenen Mundschutz. Auf jedes freundliche Wort kommt es an!

Mag sein, dass wir nicht erkennen können, was unser Handeln anrichtet und ausrichtet. Mag sein, dass wir nicht immer spüren, ob wir negativ oder positiv gewirkt haben. Aber letztlich ist es wie beim Fußball, beim Basketball, oder sogar Beachvolleyball: Wer dem Team mit Gleichgültigkeit schadet und meint, keiner würde es merken, schadet auch sich selbst. Denn am Ende wird Solidarität immer stärker zählen als ein "Mir doch egal!". Darauf verwette ich ein Herz der Nächstenliebe.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 02.08.2020 | 07:40 Uhr

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr