Stand: 18.06.2020 07:40 Uhr

Kolumne: "Sommerreisen"

von Julia Heyde de López
Sonnenuntergang am Strand von Wackerballig © Timo Brodtmann Foto: Timo Brodtmann
Selbst am äußersten Meer haben wir immer auch uns selbst mit im Gepäck.

Es gehen wieder Flüge nach Mallorca! Und die Autobahn Richtung Dänemark ist übervoll. Pünktlich zum Beginn der Sommerferien wurde die Corona-Reisewarnung zumindest für die meisten europäischen Länder aufgehoben. Eine gefühlte Ewigkeit mussten wir uns in den eigenen vier Wänden isolieren - klar, da schnappt man sich jetzt die Koffer, packt die Badehose, Wanderstiefel und mehrere Flaschen Desinfektionsmittel ein und es kann losgehen. Aber unbeschwert fühlt sich anders an.

Eigentlich begann das schon vor der Corona-Krise. Stichwort Flugscham. Stichwort ökologischer Fußabdruck. Wir wissen mittlerweile, dass unser Reisedrang, unsere touristische Selbstverständlichkeit, durch die Welt zu gondeln, viel Schaden anrichtet.

Auf die "innere Landschaft" kommt es an

Julia Heyde de López © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Mit wachen Sinnen die Seele baumeln lassen, darauf kommt es an, sagt Julia Heyde de López.

Und dann ist mir noch ein anderer Gedanke wichtig. "Es gehen die Menschen zu bestaunen die Gipfel der Berge und die ungeheuren Fluten des Meeres und die weit dahinfließenden Ströme und den Saum des Ozeans (...), und haben nicht acht ihrer selbst." So warnte Kirchenvater Augustinus bereits im 4. Jahrhundert alle Reisenden. Denn was wir leicht vergessen: Wohin wir auch gehen, fahren, fliegen, wir haben immer uns selbst mit im Gepäck. Und deshalb ist entscheidend, wie unsere eigene - innere - Landschaft aussieht.

Wenn wir all-inclusive um die halbe Welt reisen, und alles, was bleibt, sind die Likes fürs Urlaubsfoto, dann sind wir innerlich leer geblieben. Dann betäubt das Unterwegs-Sein nur den Schmerz, anstatt ihn zu heilen. Wir müssen auf unsere Seele achthaben, dann braucht es manchmal nur einen Spaziergang durch den Garten oder den Park - und wir reisen. Diesen Zustand brauchen wir öfter als zwei bis drei Wochen im Jahr. Mit wachen Sinnen die Seele baumeln lassen. Auch in ihr gibt es einsame Strände zu entdecken, wunderbare Sonnenaufgänge, fliegende Fische und malerische Buchten zum Ankern.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 21.06.2020 | 07:40 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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