Hinweisschild ehemalige innerdeutsche Grenze © fotolia Foto: picturemaker01

Kolumne: "Ein bewegtes Jahr"

Sendedatum: 04.10.2020 07:30 Uhr

Die innerdeutsche Grenze hat jahrzehntelang die Menschen in Ost- und Westdeutschland getrennt. Im November 1989 fällt die Mauer - am 3. Oktober 1990 mündete für viele ein bewegtes Jahr in die Einheit.

von Inga von Thomsen

"Einen Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze gibt es nicht!" Das sagen linientreue Jugendliche zu uns. Es ist der Sommer 1989, ich bin mit meiner Schule auf Studienfahrt in der DDR. Ein offizieller Begleiter sitzt mit im Bus und sagt, wo es lang geht.

Mauerfall am 9. November 1989

Für mich ist es der erste Besuch überhaupt in der DDR. An viele kleine Details dieser Reise denke ich bis heute zurück: das Goethehaus in Weimar, und um die Ecke eine kleine Buchhandlung mit christlicher Literatur. Das KZ Buchenwald. Der Naumburger Dom. Das Lutherdenkmal vor der zerstörten Frauenkirche. Von Osten aus auf das Brandenburger Tor schauen. Die übrig gebliebenen DDR-Münzen vor der Ausreise abgeben, weil man die nicht mitnehmen darf.

Nur wenige Wochen später reisen die ersten Menschen über Ungarn und die Tschechoslowakei in die Bundesrepublik. Am 9. November wird die Mauer nach langen Protesten und Demonstrationen endlich geöffnet. Und wir erinnern uns an die Diskussion über den Schießbefehl.

Eine Deutsche Einheit ohne Blutvergießen

Inga von Thomsen © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Für Kirchenredakteurin Inga von Thomsen endet am 3. Oktober 1990 ein bewegtes Jahr.

Im Frühjahr 1990 fahre ich mit meinem Schuljahrgang auf die obligatorische Studienfahrt nach Berlin. Mauerspechte hacken überall Löcher in den bröselnden Beton. Ein Treffen mit einer Ostberliner Schulklasse endet mit dem Vorschlag, doch die Mauer anzuschauen. Wir laufen los, doch die Jugendlichen stutzen plötzlich. "Also, hier stand sie gestern noch!" Über Nacht ist die Mauer an dieser Stelle abgerissen worden.

Was für ein bewegtes Jahr, das am 3. Oktober 1990 in die Deutsche Einheit mündete. Ich bin froh, die Unterschiede noch erlebt zu haben. Und dankbar, das Zusammenwachsen zu sehen. Die Bitte um Frieden gehört fast zu jedem Gottesdienst. Die Maueröffnung und der Weg zur deutschen Einheit geschahen ohne Blutvergießen. Ich sage bewusst: Gott sei Dank. Und vergebe einen Anker der Hoffnung, dass noch oft Frieden werde.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 04.10.2020 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

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