Stand: 10.04.2020 07:30 Uhr

Kolumne: Warten auf das Ende

von Inga von Thomsen
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Am Palmsonntag ist Jesus nach Jerusalem eingezogen.

Ob Jesus nervös war? Also, ich bin es jedes Mal, wenn ich warten muss. Im Wartezimmer zum Beispiel, da starre ich auf mein mitgebrachtes Buch und kann mich nicht konzentrieren. Jetzt muss ich doch endlich aufgerufen werden! Dieses Sitzen auf Abruf - manchmal trotz Termins - das macht mich wahnsinnig. Und Jesus? "Es wird alles vollendet werden", sagt er. Das Kreuz vor Augen. Zieht trotzdem am Palmsonntag nach Jerusalem ein, umjubelt: "Hosianna dem Sohn Davids!", rufen die Menschen. Mit seinen Jüngern nimmt er ein letztes Mahl ein. "Einer von euch wird mich verraten."

Krankheit und Unsicherheit werden vorbei sein

In den biblischen Erzählungen wirkt Jesus völlig ruhig, fast emotionslos. Spürt er kein nervöses Magengrummeln, kein Herzflattern angesichts dessen, was da kommt? Wir alle warten gerade. Nicht nur auf Ostern. Sondern aufgrund der Corona bedingten Beschränkungen auch darauf, dass alles irgendwann besser wird. Wir wieder unseren Alltag leben können. Unsere Lieben wieder besuchen dürfen. Wieder ins Kino oder ins Theater gehen können. Das genießen, was vorher selbstverständlich schien. So lange warten wir. Unser Vorteil: Wir wissen, dass es irgendwann zu Ende sein wird. Nicht wann, zugegeben. Es kann auch noch Wochen oder Monate dauern. Aber es wird enden.

Jesu Jünger wussten das nicht. Für sie endet am Karfreitag alles. Jesus am Kreuz, gescheitert, sie selber völlig verunsichert. Einer aus ihrer Mitte hat ihn verraten. Sie sind eingeschlafen, als Jesus sie zum Wachen und Beten aufgefordert hat. Nun ist er tot. Keine Hoffnung mehr. Vielleicht verstehen wir dieses Jahr den Karfreitag besser. Spüren, wie ungewiss und ängstlich die Jünger waren.

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Kirchenredakteurin Inga von Thomsen hofft auf ein Heilmittel gegen Corona.

Eine Art Oster-Verheißung steht auch für uns am Ende des Corona-Wartens: Dass es letztlich ein Heilmittel gibt, einen Impfstoff. Aber die Verheißung des Osterfestes ist größer. Es geht um mehr: Dass alle Krankheit und Unsicherheit vorbei sein werden. Wir geheilt sind, tief im Innern. Es vollendet ist. Dafür ein Kreuz des Glaubens.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 10.04.2020 | 07:30 Uhr

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr