Stand: 12.01.2020 07:45 Uhr

Kolumne: Veränderung zum Guten hin

von Inga von Thomsen

Charleston und Jazz, Bananenröckchen in verrauchten Etablissements in Berlin: So stelle ich mir die "Goldenen Zwanziger" des vergangenen Jahrhunderts vor. Ich verbinde mit diesem Jahrzehnt viel Positives: Nach dem Krieg und der Wirtschaftskrise erlebten die Menschen endlich wieder einen Aufschwung - und genossen ein reiches kulturelles Leben. Sie nutzen U-Bahnen und Automobile, Telefone und die Fotographie, gingen ins Kino und in Vergnügungsshows. Die Damen wagten kürzere Röcke und Frisuren. Der Bauhaus-Stil erreichte seine Blütezeit. Wenn ich eine Zeitreise machen dürfte: Die Zwanzigerjahre in Berlin erleben - ja! Das würde ich gerne!

Heute passiert viel Gutes

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Die "guten alten Zeiten" waren keineswegs rosig, meint Kirchenredakteurin Inga von Thomsen.

Was meinen Sie - jetzt wo "unsere" Zwanzigerjahre beginnen: War früher wirklich alles besser? Wenn ich die Bilder aus dem brennenden Australien sehe, denke ich: Vielleicht schon. Allerdings weiß ich, die "guten alten Zeiten" sind immer eine Frage der Perspektive. Dass ich Weihnachten als Kind aufregender fand - klar. Dass die Erinnerung an früher manches verklärt, logisch. Aber ich bin davon überzeugt, dass trotz der schrecklichen Meldungen auch heute viel Gutes passiert, und dass die "guten" alten Zeiten keineswegs rosig waren.

Glaube an eine bessere Welt hilft

Könnte ich zum Beispiel wirklich ins Berlin der 1920er-Jahre reisen, würde ich zwar Charleston tanzen und Jazz hören. Allerdings hätte ich auch eine niedrigere Lebenserwartung, schlechte medizinische Versorgung, wäre nicht gleichberechtigt, meine soziale Absicherung wäre katastrophal und meine Klamotten rußig vom Kohlestaub. Und wahrscheinlich würde ich schnell und gerne wieder zurück ins Jahr 2020 reisen, weil sich Vieles weiterentwickelt hat. Darum denke ich, Stillstand ist nicht gut. Auch nicht im Denken. Nur Veränderung bringt mich weiter. 

"Siehe, ich mache alles neu", steht in der Bibel. Wir Christen glauben an eine neue, andere, kommende Welt am Ende der Zeit. Der Glaube daran hilft und befreit uns vom Hier und Jetzt. Weil wir wissen: Es wird sich etwas verändern - zum Guten hin. Zu einer neuen Blütezeit. Dafür heute ein Kreuz des Glaubens.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 12.01.2020 | 07:45 Uhr

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr