Stand: 13.03.2019 08:45 Uhr

Kolumne: "Sandwich-Zeit"

von Inga von Thomsen

Diese Woche habe ich Geburtstag und werde 48 Jahre alt. "Unvorstellbar alt", sagen die Kinder, "noch so jung", seufzen die Älteren. Mit etwas Glück befinde ich mich damit in der Mitte meines Lebens. "Trotzdem" liegen bereits 48 Jahre Lebenserfahrung hinter mir. Gerade letzte Woche las ich: Je älter wir werden, desto schneller fühlt sich das Vergehen der Zeit an. Feierten wir nicht gerade erst Weihnachten? Nahm der unglaublich heiße Sommer 2018 nicht gerade erst ein Ende? Schon drängeln sich wieder die Osterhasen in den Supermärkten und die Kollegen fragen höflich an, ob man sich schon Gedanken über die Urlaubsplanung 2019 gemacht hätte.

Eingeklemmt zwischen den Generationen

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Sowohl Kinder als auch Eltern brauchen meine Aufmerksamkeit, sagt Kirchenredakteurin Inga von Thomsen.

In der Mitte des Lebens liegt viel bereits hinter mir. Schule, Ausbildung, Start ins Berufsleben - das alles lässt sogar mich leicht sentimental lächeln. Ob Konfirmation, Führerschein oder Schulabschluss, da rechne ich auch schon in Jahrzehnten. Und es fühlt sich sehr seltsam an, kann ich mich an viele Details doch noch so genau erinnern. Diese Mitte des Lebens ist eine "Sandwich-Zeit". Ich bin eingeklemmt zwischen den Generationen: den alt werdenden Eltern und den Kindern. Beide brauchen meine Aufmerksamkeit. Die einen brauchen mehr Zeit und werden vielleicht pflegebedürftig, die anderen kämpfen mit Schulproblemen oder eigenen (Zukunfts-)Themen.

Wunsch nach mehr Zeit für sich selbst

Ich mache mir Sorgen, nein: liebevolle Gedanken um beide. Aber manchmal wünsche ich mir mehr Zeit für mich, für uns, für jetzt. Weniger hin- und hergerissen sein. Die Gegenwart bewusster genießen können. "Befiel dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen", steht in der Bibel (Psalm 37,5). Ich lese den Psalmvers so: "entspann dich. Du kannst mit Gott über deine Sorgen reden. Und du kannst nicht alles alleine klären. Manches passiert. Aber es geht gut aus."

Ein Herz der Liebe für diesen Zuspruch! Ich habe Beistand. Und wenn ich jetzt in der Fastenzeit etwas vornehmen, nein, wünschen dürfte, wäre es: "Sieben Woche ohne Grübeln".

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr