Schild mit der Aufschrift "Moin" © fotolia Foto: DOC RABE Media

Kolumne: "Hallo, ich nehme dich wahr ..."

Stand: 23.09.2021 07:35 Uhr

Wie Menschen einander begrüßen, ist abhängig von kulturellen Gepflogenheiten, von Ort und Zeit. Während ein "Hallo" auf der Straße Kontakt herstellt, definieren religiöse Grußformeln ganze Gemeinschaften.

von Klaus Böllert

"Wer war das?" "Keine Ahnung, die wohnt hier irgendwo. Habe ich hier bestimmt schon vier Mal gesehen." Das ist ein ganz typischer Dialog zwischen meiner Frau und mir, wenn wir bei uns in Hamburg Langenhorn unterwegs sind. Ich grüße viel. Ich grüße jeden erwachsenen Menschen, der mir hier mehrmals über den Weg läuft, und ich werde dann auch von fast allen zurück gegrüßt. Ich finde das schön, weil mein Zuhause mehr ist als die eigenen vier Wände. Ein kurzes "Moin" und ein Lächeln heißt da eigentlich: Ich nehme dich wahr, ich weiß, dass auch du hier lebst, hab einen schönen Tag und ein schönes Leben.

Noch schöner ist es natürlich, wenn man jemanden mit Namen anreden kann. Dann wird deutlicher, dass wirklich ich gemeint bin. Ich, und nicht nur meine Funktion. Ich trainiere eine Kinderfußballmannschaft und finde es freundlicher, wenn eine Smartphone Nachricht mit "Hallo Klaus" anfängt und mit "Viele Grüße" aufhört und "Tom kommt heute nicht zum Training" nicht alles ist. Beim Training dann begrüße ich jedes einzelne Kind und dann erst die Mannschaft als Ganzes.

Im Islam ist der Gruß ein religiöses Gebot

Klaus Böllert © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Kirchenredakteur Klaus Böllert grüßt gerne auch Menschen, die er nicht kennt.

Begrüßungen sagen immer auch etwas über die Beziehung der Grüßenden aus. Mit "Sehr geehrte Damen und Herren" begrüße ich nicht meine Familie, mit "Hallo" fange ich keinen formellen Brief an. "Der Herr sei mit euch" und als Antwort "Und mit deinem Geiste" heißt es zu Beginn des Gottesdienstes. Diese Begrüßung definiert uns sofort als Glaubensgemeinschaft. Wie ich gelernt habe, ist der Gruß im Islam sogar religiöses Gebot. Als ein Mann den Propheten fragte, wie er den Islam am besten leben könne, antwortete der: "Indem du andere speist und jeden mit dem Friedensgruß (Salam) grüßt, den du kennst, und den du nicht kennst!"

Dafür ein Herz der Liebe. Das gefällt mir. Und noch ein allerletzter Hinweis: In den Wahllokalen sitzen am Sonntag lauter Ehrenamtliche, die ihre Freizeit für unsere Demokratie opfern. Auch die freuen sich über "Moin" und "Tschüss" oder auch "Guten Tag" und "Auf Wiedersehen".

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteurinnen ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 26.09.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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