Weiße Rosen hängen an einem Strauch. © Pixabay / Demiahl Foto: Demiahl

Kolumne: "Gemeinsame Wurzeln tragen und verbinden"

Stand: 22.08.2021 07:30 Uhr

Menschen bleiben über den Tod hinaus verbunden - durch gemeinsame Wurzeln und Erinnerungen. Lebensprägend können nicht nur Eltern und Geschwister sein, sondern auch die christliche Familie.

von Klaus Böllert

Ich saß bei der Arbeit im Studio, als mich der Anruf meiner jüngeren Schwester erreichte: "Edda ist tot." Meine ältere Schwester starb mit gerade mal 56 Jahren. Es folgte ein bewegender Anruf bei meiner Mutter, die nach ihrem Bruder, den Eltern und ihrem Mann nun auch am Grab eines ihrer Kinder stehen würde. Es folgten all die organisatorischen Fragen, die zu erledigen sind, von der Planung der Beerdigung bis zur Auflösung der Konten. Ich tat, was man so vom Norden aus tun kann, denn sie lebte im Ruhrgebiet.

Was mir bis heute nachgeht, ist ein Satz meines Sohnes: "Papa, du musst zwar viel erledigen, aber eigentlich hat sich gar nichts geändert, seit Edda tot ist. Wir leben weiter wie bisher, auch du." Und er hatte Recht.

Gemeinsame Erinnerungen prägen Geschwister

Meine Schwester und ich standen uns als Kinder recht nahe, aber als Erwachsene haben wir einfach sehr unterschiedlich gelebt. Wir waren nie verkracht, hatten aber nur noch sporadischen Kontakt. Zu wenig, um dann in die Tiefe zu gehen. Vieles blieb ungesagt. Aber wir waren weiterhin Geschwister. So viele gemeinsame Erinnerungen an Dinge, die bis heute prägen. Und so macht mir der Verlust meiner Schwester deutlich, wie stark gemeinsame Wurzeln sind.

Christen sind Schwestern und Brüder im Geist

Schwestern und Brüder, so nennen auch wir Christen uns. Unsere Familienerinnerungen reichen bis ins dritte vorchristliche Jahrtausend. Wir teilen die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, beten die Psalmen, hören auf die Worte Jesu. Das ist nicht so lustig und rührselig oder auch traurig wie die Erinnerungen an die leibliche Familie, aber lebensprägend ist auch diese Familie.

Klaus Böllert © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Kirchenredakteur Klaus Böllert hofft auf Antworten auf offengebliebene Fragen.

Und in diesen Tagen, bei diesen Nachrichten erleben wir, dass wir auch eine Menschheitsfamilie sind, dass wir mit Menschen mitfühlen, mitleiden, einfach, weil sie Menschen sind, denen schlimmes Leid droht. Als Christen glauben wir an ein ewiges Leben bei Gott. Meine Hoffnung: Dass wir dann Antworten bekommen. Auf die großen Fragen des Lebens und ich auch auf die Fragen, die zwischen meiner Schwester und mir offengeblieben sind.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 22.08.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

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