Sendedatum: 11.08.2019 07:45 Uhr

Kolumne: "Ein Leben in Angst?"

von Klaus Böllert

Jeden Tag ist mein Sohn diese Woche zum Schwimmtraining gefahren, jeden Tag stehe ich an Bahnsteigen, jeden Tag gehe ich durch die Stadt und freue mich über die Vielfalt der Menschen, die Wurzeln überall auf der Welt haben.

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Es ist wichtig, nicht nur "Bad News" als "Good News" anzusehen.

Dabei müsste ich doch eigentlich Angst haben? Jedenfalls ist Angst zurzeit ein großes Thema. Es gibt ja auch verstörende Nachrichten. Dass ein Mann in Frankfurt Mutter und Kind vor einen Zug stößt, gehört dazu. Die Jugendlichen, die in Düsseldorf in einem Schwimmbad randalierten, brauchen mich hier im Norden nicht zu kümmern. Aber dass schon zum zweiten Mal dieses Jahr eine Frau in Hamburg-Wilhelmsburg im Inselpark überfallen worden ist, kann sehr wohl beunruhigen, vor allem, wenn ich in der Nähe wohne. Es wäre kalt und hartherzig und dumm, da einfach drüber hinweg zu sehen und fröhlich pfeifend nur das Gute und Schöne in der Welt zu sehen.

Herz und Seele mit guten Nachrichten füttern

Die Frage ist aber schon: Womit füttere ich mein Hirn, mein Herz und meine Seele? Verbeiße ich mich in schreckliche Nachrichten? Wenn ich will, kann ich - vor allem in den sozialen Netzwerken -  immer neue Meldungen lesen zum Beispiel über misslungene Integration und sexuelle Gewalt. Ich kann Hirn, Herz und Seele aber auch mit guten Nachrichten füttern. Recherchen des NDR ergaben dieses Jahr, dass immer mehr Geflüchtete im Norden Arbeit finden. Vergangenes Jahr waren es gut 11.300 allein in Schleswig-Holstein. Aktuell lese ich: Bei einer Drogeriekette in Hamburg wurden 2.000 Schulranzen für arme Kinder gespendet. Es gibt so viele gute Nachrichten.

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Es gibt so viele gute Nachrichten, meint Kirchenredakteur Klaus Böllert.

Was es nicht gibt, ist ein sorgenfreies Leben. Das ist auch kein christliches Versprechen. Es gibt Verbrechen, Krankheit, tödliche Unfälle. Eine Antwort von Christen darauf ist die Bitte um Gottes Segen. Diese Bitte ist auch das Eingeständnis, dass in mein Leben und das meiner Lieben Unheil einbrechen kann. Der Anker unserer Hoffnung ist, dass Gott da ist in Trauer und Leid und im schlimmsten Fall die Toten zu sich holt. Als Christ sehe ich im Alltag und in den Nachrichten überall Gutes. Aber ich weiß: Christen erwarten kein Paradies auf Erden, sondern Seligkeit im Himmel.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 11.08.2019 | 07:45 Uhr

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr