Eine Jesusfigur ohne Arme hängt an einer Holzwand. © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka

Kolumne: "Viel gelebte Gottes- und Nächstenliebe"

Stand: 30.05.2021 07:30 Uhr

Infolge des Missbrauchsskandals und dessen zögerlicher Aufarbeitung finden in der katholischen Kirche Diskussionen und Prozesse statt. Es geht um Selbstreflexion, Zweifel an Strukturen und zu viel Macht.

von Klaus Böllert

Wer sind wir und wenn ja, wie viele. Etwas abgewandelt passt der Bestsellertitel von Richard David Precht auch gut zur Suchbewegung der katholischen Kirche. Ausgelöst durch den Missbrauchsskandal und dem schlechten Umgang damit, gibt es auf allen Ebenen Diskussionen, Gespräche, Prozesse, in denen es um Selbstreflexion geht, um Strukturen und Machtfragen.

Synodaler Prozess für mehr Frauen in Kirchenämtern

In Kiel heißt es "Wir müssen reden". Da lädt die katholische Pfarrei zu Austauschforen ein. Bundesweit gibt es den synodalen Prozess zu Themen wie "Macht und Gewaltenteilung" oder "Frauen in Diensten und Ämtern". Und jetzt hat Papst Franziskus eine weltweite zweijährige Synode angekündigt, um die Kirche zukunftsfähig zu machen. Das Ziel dieser Suchbewegung ist eine Kirche, die näher dran ist am Evangelium, an dem, was Jesus wollte.

Am Ende werden wir gefragt, ob wir Hungernden zu essen gegeben haben, Nackte bekleidet und Obdachlosen Unterkunft. Und auch, ob Kinder bei uns sicher und geschützt sind. Das habt ihr mir getan, sagt Jesus, oder eben auch nicht.

Seelsorger und Sozialarbeiter leben Nächstenliebe

Klaus Böllert © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Kirchenredakteur Klaus Böllert schaut in der katholischen Kirche dorthin, wo Glaube konkret gelebt wird.

Aber bei allen Struktur- und Machtfragen in der Kirche, bei allem Schrecklichen, das aufgedeckt wurde und weiter wird, bin ich noch gerne katholisch. Denn es gibt viele gute Seelsorgerinnen, engagierte Sozialarbeiter und viele viele Ehrenamtliche, die Gottes- und Nächstenliebe leben. Ich schaue gerne dahin, wo Glaube ganz konkret gelebt wird. Dahin, wo in meiner Gemeinde Kinder zur Erstkommunion gehen, weil sie oder ihre Eltern ein Leben mit Gott wünschen. Dahin, wohin das Krankenmobil für Obdachlose unterwegs ist. Dahin, wo sich Hilfswerke wie Misereor für Unterdrückte und Arme weltweit einsetzen. Dahin, wo eine Seelsorgerin die Hand von Sterbenden hält.

Im Alltag. Jeden Tag. Ein Herz der Liebe für den gelebten Glauben.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 30.05.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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