Ein Kreuz aus Asche auf dunklem Hintergrund © fotolia.com Foto: czarny_bez

Kolumne: "Fasten - Verzichten mit Gewinn"

Stand: 21.02.2021 07:30 Uhr

Alkohol, Fleisch, Süßes: Fasten und Verzicht sind vielfältig. Die Fastenzeit geht auf die christliche Kirche zurück - und dauert von Aschermittwoch bis Ostersonntag.

von Klaus Böllert

"Wieso soll ein Tier weniger wert sein als ein Mensch?" Es sind schwierige Fragen, die mein jüngster Sohn und ich vergangenes Jahr diskutierten. Wieso Tiere so gehalten werden, dass sie leiden gehörte genauso dazu, wie sein Erschrecken darüber, dass Regenwald für Schweinefutter abgeholzt wird. Nun ist es ja leicht, mit Worten radikal zu sein, aber er ging einen Schritt weiter. "Ich esse in der Fastenzeit kein Fleisch." Von der Konsequenz meines Sohnes beeindruckt machte ich mit. Ich bin gleich dabeigeblieben und lebe jetzt seit einem Jahr vegetarisch.

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Eine geöffnete Frauenhand, Zeigefinger und Daumen berühren sich. © Photocase Foto: wishzones

Fastenzeit ab Aschermittwoch: Veränderung durch Verzicht?

Fasten bedeutet nicht nur, auf Süßes oder Alkohol zu verzichten. Die Menschen sollen auch ihre Gewohnheiten hinterfragen. mehr

Fasten braucht innere Vorbereitung

Hier und heute aber ist nicht Fleisch mein Thema, sondern Fasten. Ich glaube nämlich, vergangenes Jahr war es ein gutes Fasten, was ich leider viel zu selten sagen kann. Weshalb es gut war? Fasten braucht innere Vorbereitung - und oft einen Anstupser. Die innere Vorbereitung waren bei mir all die Informationen über Tierhaltung, Fleischkonsum und Klimakrise. Mein Sohn der Anstupser.

Fasten heißt für mich auch Verzicht üben. In der Wüste erging das Wort an Johannes den Täufer. Heuschrecken und Honig waren seine Nahrung. Auch Jesus ging 40 Tage in die Wüste, nicht in ein Wellnesshotel. Der äußere Verzicht bringt zum Ausdruck und erinnert daran, dass etwas geändert werden soll. Ich soll mich ändern. "Kehrt um", ruft der Täufer.

Wer abgibt, fühlt sich mehr im Einklang mit sich selbst

Fasten hat auch eine soziale Dimension. Ich wollte auch aufhören, Missstände durch meinen Konsum zu unterstützen. Sicher ist es okay, wenn ich auf Alkohol verzichte oder auf Schokolade. Besser ist es, wenn ich das gesparte Geld spende, damit es denen besser geht, die kein Geld für Luxus haben. Als Johannes der Täufer gefragt wurde, was man denn tun solle, hat er gesagt: "Wer zwei Gewänder hat, gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, handle ebenso." (Lukas, 3. Kapitel) Umkehr soll Früchte für andere bringen.

Klaus Böllert © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
"Fasten kann gewinnbringend sein", meint Kirchenredakteur Klaus Böllert.

Fasten tut gut. Verzicht, Umkehr und Buße sind kein Spaß, können aber gewinnbringend sein. Ich fühle mich mehr im Einklang mit meinen Überzeugungen und wer spendet, hat auch selbst ein gutes Gefühl.

Was besonders dieses Jahr während der Pandemie wichtig ist: Fasten ist kein Zwang. Wer keine Kraft hat zu fasten, wem der Alltag in der Pandemie schon zu viel abverlangt, der soll es dieses Jahr guten Gewissens sein lassen. Denn das Fasten darf zwar ruhig anstrengend sein, soll aber nicht knechten, sondern zu besserem Leben für mich und andere führen. Heute ein Kreuz des Glaubens daran, dass Gott Umkehr will. Damit alle ein besseres Leben haben.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 21.02.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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