Stand: 28.02.2019 11:00 Uhr

Missbrauch: Kirche verspielt Glaubwürdigkeit

von Andreas Brauns

"Ich frage mich: Was muss noch passieren, damit auch die letzten Leitenden in der katholischen Kirche endlich verstehen, dass durch die zahlreichen Missbrauchsfälle die Glaubwürdigkeit der ganzen Institution erschüttert ist?"

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Opfer demonstrieren in Rom gegen den systematischen Missbrauch durch die katholische Kirche.

Das ist schwer zu sagen. Es ist schon so viel passiert. Was bisher bekannt ist, übersteigt jegliches Vorstellungsvermögen. Eine Institution, die für sich in Anspruch nimmt, die Hüterin der Lehre Jesu zu sein und die "Frohe Botschaft des Evangeliums" zu verkünden, sie hat viel zu oft Opfern Barmherzigkeit verweigert und Mitgefühl. Und sie hat die Wahrheit verschwiegen, offensichtlich systematisch über einen langen Zeitraum hinweg. Irgendwie davon überzeugt davon, dass nichts von dem was passiert ist an die Öffentlichkeit kommt. Und wenn doch, wird es niemand glauben, weil es unvorstellbar ist. Was für ein Irrtum.

Kein großer Durchbruch beim Papst-Treffen in Rom

Es ist verständlich, wenn sich jetzt immer mehr Frauen und Männer fragen: Wie kann ich in einer Kirche noch Christ sein, die für mich unglaubwürdig geworden ist? Diese Kirche steht vor einem Scherbenhaufen. Vor ein paar Tagen hat ein Historiker gesagt: Eine Religion, die ihre Glaubwürdigkeit verspielt hat, ist am Ende.

Verheerende Abgründe tun sich seit Langem auf. Manche hatten sich darum von dem Treffen der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen in Rom einen Befreiungsschlag erhofft. Doch der ist ausgeblieben. Die Enttäuschung ist bei vielen groß. Aber das Thema steht weiterhin ganz oben auf der Agenda der Kirche. Nicht nur durch die Verurteilung von Kardinal Pell in Australien.

Null Toleranz gilt auch für die katholische Kirche

Die Kirche muss lernen, dass es nicht reicht, große Worte zu machen, Predigten zu halten, und selbst die Aufarbeitung der Vergehen zu organisieren. "Null Toleranz" ist leicht gesagt, doch es geht jetzt darum, offen und ehrlich die Wahrheit zu bekennen. Macht abzugeben, sich auch dem weltlichen Gesetz zu unterstellen. Und das fällt einer Institution schwer, die als "heilige Kirche" vielen Menschen über Jahrzehnte ein schlechtes Gewissen gemacht hat, sobald diese die Gesetze der Kirche übertreten haben.

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Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 02.03.2019 | 09:15 Uhr

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