Stand: 09.04.2019 13:25 Uhr

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von Jan von Lingen

"In der evangelischen Kirche wird immer wieder von Dietrich Bonhoeffer berichtet. Ist der Theologe und Widerstandskämpfer so etwas wie ein evangelischer Heiliger?"

Man könnte tatsächlich auf die Idee kommen, denn Dietrich Bonhoeffer wird seit Jahrzehnten im In- und Ausland sehr verehrt. So ist sein Gesicht in Stein gemeißelt an der Westminster-Abbey in London zu sehen: Über dem Westportal erinnert eine Statue an den Deutschen, dessen Geradlinigkeit unvergessen ist - auch im ehemaligen Feindesland Großbritannien. Aber ist er darum ein Heiliger?

Keine Flucht ins Ausland

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Starb 1945 im KZ Flossenbürg: Der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer.

Zunächst ist er ein Märtyrer. Im KZ Flossenbürg wurde er am 9. April 1945, mit sechs anderen Gefangenen auf den Gefängnishof geführt. Er sprach ein Gebet, legte seine Kleider ab und bestieg die Treppe zum Galgen. Dietrich Bonhoeffer war nicht einmal 40 Jahre alt, als er hingerichtet wurde. Dabei hätte er im Ausland bleiben können, zum Beispiel in New York, dort hatte er eine Zeit lang gelebt. Doch er kehrt zurück, ausgerechnet im Jahr 1933. Schon zwei Tage nach der Machtergreifung Adolf Hitlers warnte Bonhoeffer in einer Rundfunkansprache, der Führer könne schnell "zum Verführer" werden. Doch als er den Satz sagte: "Führer und Amt, die sich selbst vergotten, spotten Gottes", wurde die Rundfunkübertragung abgebrochen.

Er leitete dann eine kirchliche Ausbildungsstätte für junge Theologen, die bald verboten wurde. Außerdem schloss er sich der Widerstandsgruppe des 20. Juli im deutschen militärischen Geheimdienst an. Im April 1943 wurde er verhaftet. Tagebücher und Briefe an seine Eltern und seine Braut erzählen von den zwei Jahren in Haft.

Kreuz Skulptur aus Metall

Dietrich Bonhoeffer

N-JOY - Radiokirche bei N-JOY -

Heute ist der Todestag von und der Gedenktag für Dietrich Bonhoeffer. Er wurde kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs hingerichtet.

Ein Vorbild für Christen

Ein "Heiliger", wie in der katholischen Kirche, ist Dietrich Bonhoeffer nicht. Evangelische Christen beten keine Heiligen an und sie brauchen auch keine Fürsprecher bei Gott. Aber Bonhoeffer ist bis heute für viele Christen ein Vorbild. Darum sind Kirchen und Schulen, Krankenhäuser und Straßen nach ihm benannt. Unvergessen sind seine Mahnungen wie: "Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen in der Kirche." Und er schenkt noch heute Trost in Worten wie diesen, die er wenige Monate vor seinem Tod formulierte: "Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag."

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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