Stand: 12.09.2018 13:00 Uhr

Kirchen in China haben großen Zulauf

von Julia Heyde de López
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Studierte unter anderem in Heidelberg Theologie: Ruomin Liu.

Hamburg schaut aufs Reich der Mitte. China steht im September bei vielen Veranstaltungen im Fokus - es ist wieder "China Time". Pfarrer Ruomin Liu kommt aus China und ist derzeit Studienleiter an der Missionsakademie in Hamburg. Er hat in Nanjing und Heidelberg Theologie studiert. Seine Promotion schrieb er über Dietrich Bonhoeffer. Der Pastor und Widerstandskämpfer spiele nicht nur in Deutschland eine wichtige Rolle, sondern auch in China, sagt Liu. Denn Bonhoeffer lege den Christen ans Herz, dass sie Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen müssen.

Keine Religionsausübung unter Mao Zedong

In China gibt es fünf staatlich anerkannte Religionen: den Buddhismus, den Taoismus, den Islam, sowie die evangelische und die katholische Kirche. Die beiden christlichen Kirchen werden als eigenständige Religionen betrachtet. Während der "Kulturrevolution" unter Mao Zedong war in China jede Religionsausübung verboten. Doch insgeheim lasen viele Christen trotzdem die Bibel oder feierten geheime Gottesdienste, erzählt Liu. Daraus entwickelten sich nach dem Ende der Kulturrevolution 1976 sogenannte Hauskirchen. Heute sind diese Kirchen sehr groß, sagt er. "Sie haben 100, manchmal sogar 1.000 Mitglieder."

Steg am See im Sonnenuntergang. © Jenny Sturm/fotolia Fotograf: Jenny Sturm

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Erfahrungen des menschlichen Alltags, aus dem Glauben gedeutet - Eine Reihe zum kurzen Innehalten im schnellen Lauf der Zeit - Autorin: Julia Heyde de López.

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Auch an Universitäten und in Firmen können Gemeinden gegründet werden. Manche von ihnen sind bei den staatlichen Religionsbehörden registriert, andere nicht. Die staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften müssen "patriotische Vereinigungen" haben, die auf den Drei-Selbst-Prinzipien beruhen. Dazu gehört, dass die Gemeinden finanziell unabhängig sind von ausländischen Hilfen, dass sie das Evangelium durch Einheimische verkündigen und sich eigenständig verwalten.

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Alle Religionen in China haben heute großen Zulauf, sagt Liu. Die Menschen seien auf der Suche nach Spiritualität. Besonders die evangelische Kirche wächst. Andererseits gebe es auch Regionen in China, in denen die Kirche keine Chance habe, so Liu. Dahinter stünden nicht nur politische Gründe, sondern auch die Beziehung mit anderen Religionen. Für die Zukunft wünscht Liu den Kirchen, dass sie ihre Rolle in der Gesellschaft noch bewusster wahrnehmen können, den ökumenischen und interreligiösen Dialog fördern und ihre eigene Theologie weiter entwickeln. Der chinesische Pfarrer ist zuversichtlich: Mit Hoffnung kommt man weiter, sagt er.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 09.09.2018 | 09:15 Uhr

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