Zwei Kinder gehen Hand in Hand über ein Feld in Richtung untergehender Sonne. © Photocase Foto: riskiers

Kinder gelten schon in der Bibel als Vorbilder

Sendedatum: 15.05.2021 18:05 Uhr

"Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch" - ist ein berühmtes Zitat aus dem Buch "Als ich ein kleiner Junge war" von Erich Kästner. Es ist ein Werk für Kinder und Erwachsene.

von Pastor Henning Ernst

"Lasst euch die Kindheit nicht austreiben! Schaut, die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut", schrieb Erich Kästner 1957. Mit meinen Kindern habe ich viele der wundervollen Bücher von Kästner und auch von Astrid Lindgren gelesen und deren Verfilmungen gesehen. Das Leben dieser kindlichen Romanfiguren, sei es Pippi Langstrumpf, Madita oder Anton, ist nicht unbeschwert. Alle diese Kinder stehen vor ihren Lebensaufgaben, sind wie wir hineingeworfen in ihre Zeit. Mit Hilfe dieser Bücher sehe ich noch einmal die Welt aus dem Blickwinkel der Kinder.

Kinder haben das Nachsehen in der Corona-Pandemie

Ich spüre in diesen Büchern von Lindgren oder Kästner den Idealismus und den Willen der Kinder, sich nicht zufrieden zu geben mit den ungerechten Verhältnissen. Ich sehe diese Romanfiguren in einer Linie mit den Schülerinnen und Schülern, die heute für den Klimaschutz auf die Straße gehen. Entschieden und klar fordern Kinder das ein, was sie brauchen, das erleben alle Eltern tagtäglich. Bereits in der Bibel gelten Kinder als Vorbilder, weil sie unvoreingenommen sind und geradeheraus sagen, was Sache ist. Leider werden sie oft vergessen und haben das Nachsehen auch in dieser Pandemie.

Erich Kästner über das "Kind bleiben"

Bei meiner Gruppenarbeit mit Männern schauen wir auch auf unsere Kindheit. Das Kind, das wir waren, stand oft im Schatten, verstrickt in die Probleme der Eltern und ausgeliefert ihrem Urteil oder ihrer Missachtung. Dann nehmen wir dieses Kind von damals mit ans Licht und reichen ihm die Hand.

"… müsste man nicht in seinem Leben wie in einem Hause treppauf und treppab gehen können?", fragt Erich Kästner.

Was soll die schönste erste Etage ohne den Keller…? Nun, die meisten leben so! Sie stehen auf der obersten Stufe, ohne Treppe und ohne Haus, und machen sich wichtig. Früher waren sie Kinder, dann wurden sie Erwachsene, aber was sind sie nun? Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch. Ansprache von Erich Kästner aus dem Jahr 1950

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 15.05.2021 | 18:05 Uhr

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