Ein Mann steht am Ufer eines Sees und schaut in die Ferne. © picture alliance / ZB Foto: Thomas Eisenhuth

Kolumne: "Seelenverwandt"

Stand: 10.10.2021 07:30 Uhr

Am 10. Oktober ist der Welttag der seelischen Gesundheit. Er wurde 1992 von der WHO initiiert. Es geht darum, auf psychische Erkrankungen aufmerksam zu machen. Jeder Dritte ist im Laufe seines Lebens davon betroffen.

von Julia Heyde de López

"Bewege dich an der frischen Luft. Geh nicht zu spät ins Bett. Atme in den Bauch." Oft sind es kleine, selbstverständliche Dinge, die unserer Seele guttun, und an die wir ab und zu erinnert werden müssen. Am 10. Oktober ist "World Mental Health Day", der Welttag der seelischen Gesundheit. Er will anregen, offen über seelische Nöte zu reden, über verfügbare Hilfen und eben über das, was heilt und guttut. Und dieser Tag macht dabei eines ganz klar: Menschen sind immer mehr als ihre augenblickliche psychische Verfassung. In uns ist Vielfalt und Möglichkeit. Sogar in den seelisch schwersten Zeiten. 

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Eine Hand hält die Buchstaben des Wortes "Help". © ndanko/ photocase.de Foto: ndanko

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Betroffenen zuhören und sie nicht bewerten

Und trotzdem - es fällt nicht leicht, über seelische Nöte zu reden. Was, wie ich vermute, oft am falschen Zuhören liegt. Als Zuhörende geben wir uns allzu oft und bereitwillig mit dem zufrieden, was "vor Augen ist". Wir setzen auf Plattitüden und vergeben die Chance, auf Seelenverwandte zu treffen, weil wir vorher mit einem "Wird schon wieder!" rasch abbiegen. Deshalb gefällt mir dieser Gedanke des US-amerikanischen Dichters Walt Whitman so gut, der empfahl: "Be curious, not judgmental!" Auf Deutsch in etwa: sei neugierig, ohne zu werten oder zu urteilen. Eine Aufforderung, die als Lebensmotto taugt, doch leider viel zu selten beherzigt wird. Dabei wäre es so unendlich wohltuend. Für alle Beteiligten. Wo wir interessiert und einfühlsam fragen und zuhören, ohne zu meinen, alles und jeden auf Anhieb zu durchschauen, ohne gleich ein Urteil oder Vorurteil parat zu haben - da entsteht Raum zum Durchatmen, ein Ankerplatz für Vertrauen, vielleicht sogar Geborgenheit. 

Geduldig mit sich selbst sein

Julia Heyde de López © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Es ist wichtig geduldig mit sich selbst zu sein, sagt Kirchenredakteurin Julia Heyde de López.

Und im Grunde gilt das auch für unsere Beziehung mit uns selbst. Neugierig bleiben. Gespannt sein auf das, was wir in uns entdecken werden. Geduld haben, wenn es mal nicht läuft. Räume schaffen, in denen wir atmen, uns bewegen, ruhen und wachsen können. Und wissen, dass Gott mitgeht durch die Stürme und finsteren Täler. Auch das ist etwas, woran wir uns und einander ab und zu erinnern dürfen.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 10.10.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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