Stand: 29.07.2020 12:05 Uhr

Schlie: "Das Gebet ist für mich etwas Wichtiges"

Klaus Schlie ist seit 2012 Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtags. Sowohl für seine Arbeit als auch privat bildet der christliche Glauben sein Wertefundament. Für Schlie muss politisches Handeln auf festen Grundüberzeugungen mit deutlichen moralischen und ethischen Wertmaßstäben ruhen. Das spiegelt sich auch in seinem Lieblingsbibelvers aus dem Römerbrief wider: "Lasst in Eurem Eifer nicht nach, sondern lasst das Feuer des Heiligen Geistes in Euch immer stärker werden. Dienet der Zeit." Mit der Kirche im NDR spricht Klaus Schlie über Orientierung im Glauben und über Dietrich Bonhoeffer.

Was bedeutet Ihnen dieser Vers mit Ihren eigenen Worten?

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Für Klaus Schlie ist es wichtig, auf das Wertefundament des christlichen Glaubens zurückzugreifen.

Klaus Schlie: Dieser Vers aus dem Römerbrief ist, wie ich finde, von einer ganz tiefen Liebe geprägt und von einem Leben heraus, das ich auch selber als Christ im Geist Gottes führen möchte. So bin ich auch erzogen worden, so bin ich aufgewachsen. Es gab zu Hause den selbstverständlichen Anspruch, das Leben auch im christlichen Sinne ein Stück gestalten zu müssen, ohne dass ich das in der Kindheitsphase schon realisiert habe. Aber das Alltägliche war nach christlichem Wertefundament ausgerichtet.

Kennen Sie von Ihrer Familie auch diesen Vers?

Schlie: Aus der Familie heraus kannte ich ihn nicht. Es war nicht so, dass wir zu Hause über Bibeltexte diskutiert haben. Es gab Verbindungen zur Kirche, die waren immer vorhanden. Und ganz stark war später die Verbindung ausgeprägt durch den Pastor der Familie, der dann auch bei mir den Konfirmationsunterricht durchgeführt hat.

Aus dieser Zeit stammt dann auch der Vers?

Schlie: Wahrscheinlich, als ich mich stärker mit Dietrich Bonhoeffer beschäftigt habe; mit der Zeit des Nationalsozialismus, den Schreckenstaten, die damals geschehen sind, und der Rolle von Dietrich Bonhoeffer. Das muss die Zeit gewesen sein, als mir dieser Vers begegnet ist und den ich dann auch in dieser – von Bonhoeffer ja auch ausgelegten Übersetzung – für mich verinnerlicht habe.

Was beeindruckt Sie so sehr an dieser Übersetzung?

Schlie: Es gibt ja auch Übersetzungen, da heißt es: Dienet dem Herrn. Und Bonhoeffer hat dann gesagt: Dienet der Zeit. Klaus Schlie: Aus meiner Sicht geht es letztendlich darum, nicht immer nur danach zu handeln, was der Zeitgeist sagt, was zeitgemäß ist. Sondern es geht darum, Orientierung zu haben und zu schauen, wie kann ich ein Fundament haben für das, was ich tue – sowohl persönlich, privat, aber auch das, was ich beruflich oder dann eben auch gerade in der Politik mache. Also nicht dem Zeitgeist hinterherlaufen, sondern Gedanken zu entwickeln, die keine Modeerscheinung sind. Sondern auf das Wertefundament des christlichen Glaubens zurückgehen. Deswegen fand ich dieses "Dienet der Zeit" so wichtig, weil es so völlig unabhängig ist: sowohl von Zeiterscheinungen, aber auch von zeitlichen Abfolgen. Was ist letztlich immer wieder wichtig, um ein Fundament zu haben und sich orientieren zu können?

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"Im Anfang war das Wort" mit Klaus Schlie

Man soll nicht dem Zeitgeist hinterherlaufen, sondern auf das Wertefundament des christlichen Glaubens zurückgehen, sagt Klaus Schlie. Er ist Landtagspräsident von Schleswig-Holstein. Audio (08:28 min)

Können Sie das auf einen Punkt bringen, was Sie an Bonhoeffer so fasziniert? Haben Sie sich auch mit Bonhoeffer als Person auseinandergesetzt?

Schlie: Bonhoeffer als Person hat mich deswegen beeindruckt, weil er eben tatsächlich jemand gewesen ist, der seine Entwicklung verfolgt. Er war ja in London und ist dann wieder zurückgekommen in der Zeit, in der schon klar war, wohin sich der Nationalsozialismus entwickeln könnte. Er ist jemand, der sehr stark durch seinen glühenden Glauben, durch seinen Mut, durch seine Charakterstärke, aber auch durch seine Zivilcourage deutlich gemacht hat, dass man sein Fundament auch in schwierigen Situationen nicht verlässt und nicht verlassen soll.

Sie sind Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtags. Hat Ihr Lieblingsvers etwas mit Politik zu tun?

Schlie: Das Wertefundament ist ja im privaten Bereich angelegt. Es ist für mich klar gewesen, dass ich es auch auf mein politisches Handeln übertrage. Man hat ja eine Grundeinstellung, und ich bin der festen Überzeugung, dass man politisches Handeln auch von festen Grundüberzeugungen aus durchführen muss. Es geht um deutliche moralische und ethische Wertmaßstäbe. Als wir in Schleswig-Holstein die Diskussion führten, soll in unsere Landesverfassung der Gottesbezug mit hinein, der auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vorhanden ist, habe ich mich aus Verantwortung vor Gott und den Menschen sehr stark dafür engagiert. Und um den Begriff noch einmal aufzunehmen: "Das Feuer des Heiligen Geistes" ist Antriebsfeder für unser Tun.

Sie sprachen von Werten. Was fällt Ihnen als erstes als christlicher Wert ein?

Schlie: Das Gebet ist dabei ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Immer dann, wenn es in Situationen eine bestimmte politische Dramatik gab, beispielsweise terroristische Angriffe, dann gab es das gemeinsame Gebet. Privat ist es auch so. Wenn es bedrängende Situationen gibt, wo ich selber der Auffassung bin, jetzt brauche ich die Hilfe, die Unterstützung Gottes, dann ist das Gebet für mich etwas Wichtiges. Aber auch die Gemeinschaft, im Miteinander, im kirchlichen Miteinander. Das empfinde ich, auch mit zunehmendem Lebensalter, als ungeheuer wichtig.

Das Interview führte Susanne Richter. Redaktion: NDR

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Im Anfang war das Wort. Die Bibel | 01.08.2020 | 07:45 Uhr

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