Der Sänger von der Gruppe "Die Prinzen" Sebastian Krumbiegel an einem Rednepult. © picture alliance / rtn - radio tele nord Foto: patrick becher

"Ich glaub', ich glaub' an Gott"

Stand: 25.11.2021 11:38 Uhr

Obwohl Sebastian Krumbiegel vor einiger Zeit aus der Kirche austrat, wünscht er sich etwas vom Halt zurück, der er früher hatte.

von Pastor Marco Voigt

"Küssen verboten", "Ich wär' so gerne Millionär" und "Alles nur geklaut" – na klar, das sind alles Hits der "Prinzen". Einer der führenden Köpfe der Band und Komponist vieler ihrer Lieder ist Sebastian Krumbiegel. Früher trug der die Haare leuchtend-rot, heute sind sie schwarz, denn manches ändert sich. Anderes dagegen bleibt ein Leben lang. Zum Beispiel Krumbiegels unermüdlicher Einsatz gegen Rassismus und für Demokratie.

Die Prinzen sind aus dem berühmten Thomanerchor hervorgegangen, einem Knabenchor, der zur Leipziger Thomaskirche gehört. Immer wieder ist die Band auch auf Kirchentagen aufgetreten.

Erfahrungen aus der Wendezeit prägen bis heute

Doch in seinem autobiografischen Buch "Courage zeigen" schreibt Krumbiegel auch von negativen Erlebnissen mit der Kirche. Für ihn war irgendwann sogar der Punkt erreicht, aus der Kirche auszutreten:

"Ich möchte niemanden dazu anhalten, das genauso zu machen wie ich, aber wenn ich eben diese Erfahrung gemacht habe, wo eben dann der Tropfen, der bei mir das Fass zum Überlaufen brachte, diese Montagsdemonstration am 2. Oktober 1989 war, als die Demonstranten an die Kirchentüren gehämmert haben, an die Tür der Kirche, in der ich jeden Freitag und jeden Samstag die Predigten gehört habe, weil wir dort im Thomanerchor gesungen haben, und eben immer von Nächstenliebe und Hilfe gegenüber Schwächeren die Rede war. Und wenn es wirklich hart auf hart kommt, passiert eben das."

"Ich glaub', ich glaub' an Gott"

Sebastian Krumbiegel betont, dass er seinen Eltern sehr vieles verdankt, was ihm im Leben wichtig ist. Mit dem Kirchenaustritt waren die Eltern gar nicht einverstanden. Doch Krumbiegel bereut seinen Schritt nicht, sagt aber gleichzeitig auch:

"Ich wünsche mir manchmal, diesen Halt auch zu haben, weil ich hab diesen Halt nicht mehr, den ich mal hatte als Kind, wo ich wirklich gottesfürchtig gebetet habe und daran geglaubt habe, dass sich da was verändert. Das habe ich so nicht mehr und denke manchmal: Mensch, die Leute, die das haben, denen geht es vielleicht ein bisschen besser. Und mir bleibt dann am Ende nur – und das meine ich jetzt überhaupt nicht irgendwie polemisch – zu einem Therapeuten zu rennen, wenn ich wirklich richtige Probleme habe. Was aber auch eine Lösung sein könnte. Mir geht es nur darum zu sagen: Hinterfrage, versuche Dinge in Zweifel zu ziehen, die vermeintlich irgendwelche Wahrheiten sind, die es vielleicht gar nicht sind!"

Und weil Sebastian Krumbiegel nicht nur ein kritischer und streitbarer Mensch ist, sondern auch einen hintersinnigen Humor hat, spricht er heute so von seinem Glauben:

"Ich glaube an die Liebe, und ich glaub', ich glaub' an Gott, ich glaub an gutes Essen, und vor allem ans Kompott!"

Übrigens: Für das nächste Jahr planen die Prinzen eine große Deutschlandtour!

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Moment mal | 28.11.2021 | 09:12 Uhr

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